Dienstag, 15. Februar 2011

Ich hatte mich entschieden und zwar für mich. Ich war allein, aber auch irgendwie nicht. Ich hatte zwar keine Beziehung, keinen Sex, aber vielleicht war das auch mal ganz gut so.

Jared hatte Recht behalten. Sex war nicht alles im Leben, schon gar nicht wenn du im Grunde gar keines hattest.

Ich musste mich finden, erstmal genau herausbekommen, was ich eigentlich wollte – wer ich war.

Lexi und Shannon hatten mittlerweile ihre Beziehung öffentlich gemacht. Shannon hatte sogar um ihre Hand angehalten. Also war Lexi nun offiziell verlobt, sie würde heiraten. Wer hätte das gedacht?

Die Kantenkoppgeschichte, besser bekannt als der P-Plan (Paul Plan) war nicht aufgegangen. Sie hatte ihn nie wieder gesehen. Dafür hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden. Shannon war wirklich ein Goldstück. Er trug sie auf Händen und auch wenn das ganze mit einer überstürzten Affäre begonnen hatte, so nahm es ein gutes Ende.

Sie liebten sich und das konnte die ganze Welt sehen. Ich freute mich für sie, für beide.



Ich für meinen Teil, war aus unserem riesigen Haus ausgezogen, hatte es Lexi überlassen. Ein verfrühtes Hochzeitsgeschenk quasi. Ich wusste sie liebte das Haus und sie war mir überglücklich um den Hals gefallen, als ich ihr meinen Entschluss, auszuziehen mitteilte.

Ich hatte mir ein kleines drei Zimmerppartement in Santa Monica erstanden. Es war in einem Gebäudekomplex mit direktem Blick auf den Ozean, umgeben von einer wunderschönen Grünanlage. Es reichte für mich. Seltsamerweise hatte ich keinerlei Probleme mich auf weniger zu beschränken.

Und ob ihr es glauben wollt oder nicht, ich hatte sogar einen Job. Nichts Besonderes, Aufregendes oder so. Aber ich hatte einen Job. Ich verdiente mein eigenes Geld. Natürlich keine Millionen, aber es war ein Anfang. Dafür dass ich wirklich noch nie einen Finger krumm gemacht hatte, war es wirklich eine Herausforderung.

Jared lachte als ich es ihm erzählte, aber ich schämte mich nicht im geringsten dafür in einem kleinen Bistro am Pier zu arbeiten.

Ich ging meinen Weg, wollte etwas ändern, wusste zwar noch nicht genau wohin mich dieser Weg führen würde, aber es war ein Anfang.



Zu Ian hatte ich keinerlei Kontakt mehr. Er war ziemlich an die Decke gegangen, als ich ihm meinen Entschluss mitgeteilt hatte. Ich wollte keine Beziehung, weder mit ihm noch mit Jared.

Ian war enttäuscht, er dachte offenbar wirklich er könnte mich halten, egal mit welchen Mitteln. Er hatte es zwar nicht gesagt, aber Jared stellte die Vermutung auf, dass Ian sich in mich verliebt hätte und deswegen so ausgeflippt wäre.

Jared. Ein Thema für sich.

Er hatte mich voll und ganz in seinen Bann gezogen und obwohl ich damals enttäuscht war, dass wir nicht miteinander geschlafen hatte, war ich heute froh darüber.

Wir hatten uns wirklich kennen gelernt und das jeden Tag besser. Jared hatte es geschafft, dass ich mich ihm wirklich öffnen konnte und das ganz ohne Hemmungen. Er wurde zu einem Vertrauten, er erfuhr Dinge über mich, die sonst nur Lexi kannte. Wir wurden Freunde, richtig gute Freunde. Um ehrlich zu sein hätte ich das nie für möglich gehalten, aber so war es und ich war froh darüber.

Jared war für mich da, munterte mich auf, hörte mir zu, obwohl er selbst genug um die Ohren hatte.
Neues Album, neue Tour. Ich würde ihn lange Zeit nicht sehen können, ebenso wie Lexi, die Shannon auf der Tour begleiten würde. Aber ich steckte immer noch komplett in meiner Selbstfindungsphase und wollte das ganze nicht aufgeben, nur weil ich auf meine Reserven, Daddy, zurückgreifen konnte. Ebenso wenig wollte ich, dass Jared mir alles bezahlte.

Ich würde mit Sicherheit auf dem ein oder anderen Gig, vor allem hier in den Staaten zugegen sein, ob ich auch mit nach Europa, Australien fliegen würde, stand in den Sternen.

Ich hatte jetzt Verpflichtungen, mein Chef Sam, verließ sich auf mich und da konnte ich nicht einfach im Bistro fehlen.

Früher wäre mir das scheißegal gewesen, heute jedoch nicht mehr. Ich wollte dass Menschen sich auf mich verlassen konnten.

Sam war ein weiterer sehr wichtiger Mensch in meinem Leben geworden. Er war ein Freund, ein sehr guter sogar.




Das kleine Glöckchen an der Tür bimmelte und ich sah vom Dresen auf. Kundschaft.

Ein Mann mit schwarzem Hoodie und Sonnenbrille trat herein und ich musste unweigerlich grinsen.

„Ich mach kurz Pause Sam!“, erklärte ich meinem Chef und sprang auf.

Unser Gast ließ seinen Blick durch das leere Bistro gleiten und zog schließlich seine Sonnenbrille ab. „Hey… Kat… Sam!“

„Heeeeeey“, ich fiel ihm direkt um den Hals und drückte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Was machst du denn hier?“

„War grade in der Nähe und da Sam das beste vegetarische Sandwich weit und breit macht.. du kennst mich..“

Ich lachte. Ja, ich kannte ihn und ich war stolz das von mir behaupten zu können.

„Also einmal das vegetarische Sandwich für dich, alles klar. Darf´s sonst noch was sein?“, fragte ich betont fröhlich und machte mir eine Notiz auf meinem Bestellblock.

„Ja, aber das sollten wir lieber unter vier Augen besprechen.“, er grinste.
Empört schlug ich Jared mit dem Block auf die Brust. „Ich weiß nicht was das sein sollte.“ Ich lachte. „Sam machst du Jared sein Sandwich?“

„Aber sicher..“, antwortete dieser und verschwand in der Küche.

„Also was gibt’s?“, fragte ich und setzte mich an einen freien Tisch in der hintersten Ecke des Bistros. Jared setzte sich mir gegenüber und musterte mich eindringlich.

„Jetzt spuck´s schon aus!“, forderte ich, was ihn lächeln ließ.

„Ich hab mir was überlegt..“

„Und das währe..?“, wollte ich neugierig wissen.

„Ich hab noch ein paar Tage Zeit bevor die Proben anfangen und ich wird sehr lange unterwegs sein nächstes Jahr wie du weißt und…“

„Und..? Jetzt mach´s nicht so spannend, Jared.“

„Ich wollte dich fragen ob du vielleicht mit mir ein paar Tage nach Frankreich fliegen würdest.“

„Nach Frankreich? Jared warum ausgerechnet nach Frankreich? Vermutlich noch nach Paris…hahaha, du Spinner.“

„Warum nicht, die haben das beste Brot von allen.“

„Wir fahren also nach Paris wegen dem Brot?“

„So ist es.“ Er grinste breit und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Ich ehm.. ich weiß nicht…“

In dem Moment kam Sam mit Jareds Sandwich. „Du hast Urlaub, er hat mich schon gefragt.“

Verwirrt sah ich zwischen den beiden Männern hin und her. „Das ist jetzt ein Witz oder?“

Jared begann lauthals zu lachen. „Das mit dem Brot ja, mit Paris nicht…allerdings wirst du was schönes einpacken müssen. Lexi und Shannon werden dort heiraten.“

„In Paris??“, schrie ich euphorisch.

„In der Stadt der Liebe, ist es nicht perfekt um eine Liebe zu krönen?“ Er schmunzelte. „Vielleicht heiraten wir da irgendwann auch.“

Jetzt lag es an mir laut loszuprusten. „Ganz sicher… NICHT!“

„Sie ist da nicht der Typ führ.“, gab Sam kichernd dazu, wofür er sich einen bösen Blick einfing.

„Ja ich weiß, aber vielleicht ist sie ja irgendwann der Typ dafür…“, Jareds Blick veränderte sich und ich schluckte schwer, ehe ich den Blick abwandte und zum Fenster hinaus zu. Darüber wollte ich jetzt noch nicht nachdenken, wir verstanden uns gut, zu gut, aber eine Beziehung, niemals.

„Sag niemals nie.“, murmelte er leise, was mich noch mehr grinsen ließ. Er wusste ganz genau was gerade in mir vorging, kannte mich in und auswendig. Wir waren Freunde, ob da jemals mehr sein würde? Es wäre gelogen wenn ich es komplett ausschließen wurde, aber für den Moment war ich einfach nur glücklich.

Ich liebte mein neues Leben. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen, war endlich angekommen und egal wohin mein Weg mich führen würde, ich wusste meine Freunde, meine neue Familie, würde ihn mit mir gehen, bis ans Ende dieser Tage….
Es klingelte es an unserer Haustür und wenige Minuten später klopfte es an meiner Zimmertür.

„Was ist denn Lex, ich sagte dir doch ich habe zu tun.“, sagte ich und blickte von meinem Laptop auf und staunte nicht schlecht.

Ian trat grinsend herein und legte den Kopf schief. „Hallo Kat.“

„Oh hallo, mit dir hab ich jetzt wirklich nicht gerechnet.“

„Hättest du auf meine Anrufe reagiert, wüsstest du dass ich wieder in der Stadt bin.“ Unschlüssig stand er herum.

„Kann ich dir irgendwas anbieten oder so?“, versuchte ich vom Thema abzulenken. Ja ich hatte ihn ignoriert,

Ian schüttelte den Kopf. „Nein danke. Wie geht’s dir Kat?“

„Ehm gut danke und selbst?“

„Wie ich gesehen habe, hast du die zwei Wochen in denen ich weg war, genutzt!“, antwortete er fast tonlos.

„Genutzt? In Bezug auf was?“

„Jared Leto.“ Seine Augen funkelten.

„Ich weiß nicht was du meinst… Wir sind Freunde.“ Warum hatte ich eigentlich gerade das Gefühl, mich verteidigen zu müssen?

„Freunde?“

„Ian was…“

„Schätzchen ich weiß dass ich keinerlei Exklusivrechte an dir haben, wie du immer so schön sagst, aber ich hätte ein wenig mehr Taktgefühl schon erwartet!“, erklärte Ian bissig.

„Bitte was?“, ich zog meine Lesebrille aus und stand von meinem Bett auf.

„Du hast mich schon verstanden. Was denkst du wie ich mich fühle, wenn du dich ablichten lässt mit dem nächst besten Typen?“

„Ehm.. Entschuldigung aber ich verstehe nur Bahnhof.“

„Jared und du am Santa Monica Pier. Händchenhaltend..ratterts?“

„Darf ich mich jetzt nicht mal mit Freunden treffen? Jetzt halt mal die Luft an Ian. Was soll der Scheiß überhaupt?“

„Verdammt Kat, ich … ich…“

„Was IAN?“, schrie ich wütend, mich kotze diese ganze Eifersuchtsnummer langsam aber sicher richtig an.

„Ich empfinde etwas für dich.“, murmelte er leise.

„Ooooh…“, gab ich geschockt zurück und senkte meinen Blick.

„Es…es tut mir leid… ich hätte… shit…“, stammelte er herum. „Das verändert alles… und Baby, ich kann einfach nicht…“

„Nein, Ian, ich kann nicht… ich kann das hier nicht.. Dir irgendwelche Hoffnungen zu machen, wäre unfair. Ich bin kein Beziehungstyp, war ich nie und werde ich wohl nie sein. Es tut mir leid, wenn ich deine Zeit verschwendet habe.“

„Empfindest du denn gar nichts für mich?“

„Ich liebe dich nicht, wenn du das meinst. Tut mir leid.“

„Du…du…“, er versuchte sich zu kontrollieren und wandte seinen Blick von mir ab. „Immerhin bist du ehrlich. Tut mir leid, dass ich es vermasselt habe. Du bist eine wunderbare Frau.“

Ian kam auf mich zu und zog mich fest in seine Arme. „Ich wünsche dir alles Gute mit…“ Er hielt inne.

„Da ist nichts.. Außer ein paar Küssen, ist nichts gewesen… Wir sind Freunde, mehr nicht.“

„Ich hoffe du findest nach dem was du suchst, Kleines. Leb wohl!“, Ian hauchte mir einen kleinen Kuss auf die Stirn, ehe er sich hektisch umdrehte und aus meinem Zimmer lief.




„Ian war heute bei mir gewesen!“, sagte ich leise und biss in meinen Hot Dog. Wir saßen auf einer Bank in den Hills, hatten einen wunderschönen Blick über die Stadt.

Jared verschluckte sich an seinem vegetarischen Tacco und sah auf. „Und das erwähnst du so nebenbei?“

„Hm...tschuldigung.“, erwiderte ich schulterzuckend.

„Und was hat er gesagt?“, fragte Jared neugierig und musterte mich.

„War seltsam. Er war eifersüchtig, verletzt. Du hattest Recht, er empfand was für mich. Sag mal, wusstest du dass es Bilder von uns beiden gibt vom Santa Monica Pier?“

Sein Grinsen war mir als Antwort genug. „Warum hast du mir das nicht gesagt?“

„Was ist schon dabei? Es sind immerhin keine Knutschfotos..“

„Immerhin? Pah, wann hast du mich denn zum letzten Mal geküsst?? Ach nee warte, wir sind ja nur Freunde beziehungsweise haben uns vor ein paar Tagen dazu entschlossen Freunde sein zu wollen.“

„Kat… jetzt wirst du unfair. Du hast das entschieden.“

„Ja nach deiner tollen Ansprache!“ Ich boxte ihn in die Seite.

„Meiner Ansprache?“ Jared prustete los.

„Was soll ich sagen, du hast mir die Augen geöffnet.“ Theatralisch legte ich eine Hand auf mein Herz und klimperte mit den Augen.

„Du Spinnerin.“, gab er immer noch lachend zurück. „Bist du dir sicher?“

„Ja zum ersten Mal in meinem Leben, kann ich sagen, dass ich mir wirklich sicher bin!“

„Ich bin stolz auf dich Kleines und du weißt hoffentlich, dass ich immer für dich da sein werde, egal was kommt.“ Sanft legte Jared einen Arm um mich und gab mir einen Kuss auf die Stirn.

Ich seufzte wohlig. Das war der Beginn eines neuen Lebens, einer neuen Kat…
Mein Magen knurrte. Tolles Timing Kat, dachte ich fluchend. Lächelnd schob Jared mich von sich. „Sieht aus als hättest du Hunger?“

„Ja nach dir…“, ich legte meine Hände in seinen Nacken und wollte ihn erneut küssen, aber er winkte ab.

„Nichts da, zieh dich an, wir gehen essen.“

„Essen gehen? Jetzt?“, mit weit aufgerissenen Augen sah ich ihn an und fuhr mir mit meiner Hand lasziv über seinen Oberkörper. „Ich dachte eigentlich, wir vertreiben uns die Zeit ein wenig anders.“

Jared seufzte. „Ich glaube du hast da was falsch verstanden. Ich habe nicht vor mit dir zu schlafen Kat.“

„Ooooh.“ Meine Atmung setzte aus, was für ein Schlag ins Gesicht. Er wollte nicht mit mir schlafen!!!

„Kat versteh mich nicht falsch. Natürlich möchte ich… nur nicht jetzt…Du bist ein wunderschönes Mädchen, eh Frau aber…“

„Aber??!“, fragte ich und es klang fast quietschend.

„Ich möchte es richtig machen. Ich will wissen wer du bist. Ich will dich nicht einfach nur ficken.“

„Wieso zu Hölle nicht??“, spie ich wütend aus und sprang auf. „Wieso kannst du mich nicht einfach nur ficken, wie alle anderen vor dir?“ Tränen bahnten sich ihren Weg nach draußen und das so schnell, das ich sie nicht mehr vertuschen konnte.

Ich drehte Jared den Rücken zu, wollte mich nicht noch mehr zum Affen machen, als ich es sowieso schon getan hatte. Aber natürlich war es zu spät gewesen, er hatte es gesehen.

„Hey…hey…“, ich spürte seine Hand an meinem Rücken. Behutsam streichelte er mit einer Hand darüber, während er die andere an mein Kinn legte und mich somit zwang ihn anzusehen.

„Weil ich es einmal richtig machen möchte, verstehst du das?! Ich mag dich wirklich und möchte es langsam angehen lassen. Ich will es nicht mit Sex zerstören.“, erklärte er sanft und sah mich intensiv an.

Mein Handy klingelte im denkbar unpassendsten Moment. Jared seufzte, strich mir noch einmal aufmunternd über den Arm.

„Du solltest rangehen. Ich warte im Auto auf dich.“

„Was?“, fragte ich verwirrt.

„Wir gehen essen, schon vergessen.“ Er lächelte liebevoll und gab mir einen Kuss auf den Scheitel, dann drehte er sich um und Sekunden später hörte ich die Tür zu fallen.



Mein Handy klingelte immer noch penetrant. Ich starrte entgeistert auf das Display und nahm schließlich ab.

„Hey Babe, du bist ja gar nicht bei mir zu Hause?“ Ian, wer sonst.

„Nein, ich bin nach Hause gefahren.“

„Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Den Schlüssel hast du bestimmt auch liegen lassen.“

„Hm…“ Ich stand auf und ging zum Fenster, sah hinaus auf den Pool.

„Stör ich dich gerade?“

„Ich wollte gleich mit einem Freund Essen gehen.“

„Einem Freund?“ Ian klang überrascht.

„Ian…“

„Nein, nein ich weiß… Dann will ich dich nicht länger stören. Ich denk an dich, bye.“ Schon hatte er wieder aufgelegt. Er klang gekränkt, na super. War er etwa eifersüchtig? Das fehlte mir gerade noch…

„Oh verdammt Kat, was tust du hier.“, murmelte ich mehr zu mir selbst.

Von draußen vernahm ich ein dezentes Hupen, was mir Anlass genug war, mich auf zu raffen, in Windeseile nach oben zu spurten und mir eine einfache Jeans und ein kariertes Shirt überzuwerfen, meine schwarzen Ballerinas lagen Gott sei Dank griffbereit auf dem Boden, und schnell wieder nach unten zu rennen. Jared wollte gerade anklopfen als ich die Tür aufriss.


„Sorry ich musste mich noch umziehen, ich hätte wohl kaum im Bikini mitkommen können.“, gab ich außer Atem zurück.

„Hättest du schon, wir hätten bestimmt für Aufsehen gesorgt.“, lächelte er.

„Hahaha, wohin willst du überhaupt?“

„Wohin möchtest du denn? Worauf hast du Lust?“, kam direkt als Gegenfrage.

Als ich mir daraufhin auf die Unterlippe biss, verbesserte er sich schmunzelnd. „Was isst du gerne Kat?“

„Chinesisch“, gab ich schulterzuckend zurück.

„Okay, kennst du den an der fünften Ecke Maddison?“

„Oh ja das ist der beste.“

„Sehe ich auch so, wir haben tatsächlich was gemeinsam. Ist das zu glauben.“

„Du meinst das ernst mit dem ´Kennen lernen´ oder?“

Er nickte und hielt mir grinsend die Wagentür auf…




Die Tage vergingen, Jared und ich sahen uns beinahe jeden Tag. Wir unternahmen viel zusammen, fuhren mit unseren Rädern durch die Gegend, unterhielten uns über dies und jenes.

Ich hatte wirklich das Gefühl, dass wir uns nach und nach besser kennen lernten, ganz so wie Jared es geplant hatte. Wir tauschten heiße Küsse, allerdings nie in der Öffentlichkeit.

Er wollte nicht dass es nach Außen den Anschein hatte, wir hätten etwas miteinander, was ich aber voll und ganz nachvollziehen konnte.

„Kat, wenn du willst dass die ganze Welt, dich noch mehr für ein Flittchen hält, dann bitte..“, hatte er mir kopfschüttelnd erklärt. „Du musst dein Leben in den Griff bekommen, du bist so ein schlaues Mädchen und du verbaust dir mit diesem Affärenscheiß alles.“

„Und was ist das was wir haben?“, fragte ich nervös, weil ich nicht verstand worauf er hinauswollte.

„Wir gehen aus… Weißt du denn immer noch nicht wo da der Unterschied ist?“, hatte er mich ausgelacht und ja verdammt er hatte Recht.

Mein Leben war ein einziges Chaos, ich fickte mich durch die Gegend, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie das auf die Außenwelt ankam.

Katherine Matthews, Tochter des Immobiliengurus John Matthews, von Beruf Tochter und Flittchen. Machte sich verdammt gut in meinem Lebenslauf.




„Woran denkst du?“, Jareds Hand fuhr zärtlich über meinen Arm.

„An die letzten Tage… sie waren sehr schön.“ Ich kuschelte mich näher an ihn und er zog die Decke ein Stück weiter über uns.

Er hatte mich heute Nacht mehr oder weniger mit den Worten „Wir müssen was gegen deine Strandphobie machen“ entführt. Jetzt lagen wir hier in zwei Decken eingekuschelt, Arm in Arm und betrachteten den Sternenhimmel über uns.

„Danke.“, ich gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange und er sah mich überrascht an.

„Wofür war der denn?“

„Für alles… Ich … Jared ich bin nicht …“ Ich hielt einen Moment inne und beschloss, dass ich ihm etwas zurück geben wollte. Er hatte sich soviel Mühe in den letzten Tagen mit mir gegeben. Ich hatte Spaß gehabt, richtigen Spaß und dass ganz ohne Sex.

„Weißt du, noch nie wollte jemand wissen, wie ich bin, mich versuchen zu verstehen… Ich war schon immer Daddys kleinen Mädchen, die die Unmengen an Geld hatte, Lexi war und ist meine einzige wahre Freundin. Geld macht nicht glücklich. Und da ich in der Highschool schon immer als Flittchen abgestempelt wurde, weil alle Jungs auf mich standen, hab ich das irgendwann einfach übernommen.“

„Du bist zum Flittchen geworden, weil andere dich so gesehen haben?“, ungläubig zog er die Stirn kraus.

„Irgendwie schon, schätze ich.“, murmelte ich leise.

„Hattest du denn nie, einen na ja nen Freund, ne Beziehung, so was halt.“

Ich atmete tief durch und schüttelte den Kopf. „Ich war da nie der Typ für.“

„Woher willst du das wissen, wenn du es noch nie ausprobiert oder erlebt hast?“, hakte er nach.

„Ich kann das nicht, denke ich… ich brauche meine Freiheiten.“

„Kat, das ist hirnrissig.“ Kopfschüttelnd setzte Jared sich auf. „Du bist so jung, du musst ja nicht gleich den nächst besten heiraten…“

„Hab ich auch nicht vor.“

„Kannst du dir denn gar nicht vorstellen mit jemanden eine Beziehung ein zu gehen? Ich meine wie definierst du das was wir haben?“

„Keine Ahnung?“

„Es ist auch eine Art von Beziehung, wir daten, lernen uns kennen…“

„Ich bin nicht ganz auf den Kopf gefallen okay…“, gab ich schnaubend zurück.

„Dann tu nicht so als wärst dus. Du bist nicht so dumm, wie du tust und so gefühlskalt schon gar nicht, Süße.“

„Manchmal ist es besser, wenn man gefühlskalt ist, gerade du solltest das wissen, Jared.“, gab ich wütend zurück.

Er seufzte und beugte sich wieder zu mir herunter. Legte eine Hand an meine Wange, strich mir zaghaft über die Lippen, ehe er mich sanft küsste. Er nahm mir binnen von wenigen Sekunden die Luft aus den Segeln.

Ich öffnete meinen Mund für ihn und er intensivierte den Kuss sofort. Seine Hand fuhr unter die Decke, die uns beide immer noch bedeckte, direkt unter mein Top und ich stöhnte leise auf.

Abrupt ließ er von mir ab. „Willst du mir immer noch weiß machen, dass du gefühlskalt bist?“

„Das hat nichts mit gefühlskalt zu tun… ich bin einfach nur…“

„So wie du auf mich reagierst und das vom ersten Moment an, das ist nicht einfach nur die sexuelle Anziehung…“

„Willst mir unterstellen, dass ich mich in dich verliebe?“

„Vielleicht… Könntest du das denn?“

„Du fragst mich Sachen… Warum interessiert dich das so?“

„Beantworte meine Frage, Kat.“, beharrte Jared.

„Keine Ahnung, vielleicht.. ich war noch..“ Ich verfluchte mich selbst, ich hatte es fast ausgesprochen zum ersten Mal in meinem Leben.

Jared sah mich entsetzt an. „Du warst noch nie verliebt?“

Ich wand mich ab und stand auf. Er war sofort neben mir.

„Das tut mir leid.“, flüsterte er leise.

„Kein Drama, ehrlich. Ich will nicht darüber reden.“

„Wieso nicht? Wenn es kein Drama für dich ist?“

„Weil es für dich offensichtlich eins ist, ich finde nicht dass ich was verpasst habe. Ich habe Lexi immer wieder leiden gesehen, weil einer dieser Vollidioten ihr Herz gebrochen hat. Ich musste sie immer wieder auffangen, sie trösten. Ich wollte einfach nicht denselben Schmerz durchleben wie sie.“


Jared legte seine Arme um mich. „Du solltest dich wirklich verlieben Süße, es ist ein wunderschönes Gefühl und wenn du den richtigen triffst, dann..“

„Bitte halt die Klappe und küss mich.“, unterbrach ich ihn und sah ihn flehend an. Er nickte und zog mich noch dichter an sich heran. Sanft presste er seine Lippen auf meine und wir versanken in einem leidenschaftlichen Kuss.
Lexi war wie üblich nicht zu Hause. Entweder Shannon war bei uns oder sie war bei ihm.

Zielstrebig ging ich nach oben in mein Zimmer, schmiss meine, pardon Jareds, Lederjacke aufs Bett und zog mich um.

Da es noch früher Vormittag war, beschloss ich es ruhig angehen zu lassen, wie eigentlich an jedem Tag.

Dass ich mich seit Wochen nicht an der Uni hatte blicken lassen, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Es gab immerhin wichtigeres.

Oh man, was sollte nur aus mir werden? Würde überhaupt jemals etwas aus mir werden? Wollte ich immer Daddys kleine Tochter sein?

Mein Dad machte eine Menge Geld im Jahr, theoretisch ging es mir fantastisch, ich brauchte nicht einen müden Finger krumm zu machen. Geld war da, und zwar zu Hauf.

Ich besaß mehrere Kreditkarten, ein pralles Konto, aber ganz ehrlich machte mich das glücklich?

Im Grunde war ich doch total fertig, beziehungsgestört, offensichtlich, nicht bindungsfähig, warum auch? Spaß konnte ich auch so haben. Aber war es das, was wirklich glücklich machte?

Lexi wirkte so glücklich in letzter Zeit, so ausgelassen, so happy. Sie verbrachte ihre gesamte freie Zeit mit Shannon. Sollte er tatsächlich der Grund für ihre gute Laune in den letzten Wochen sein?


(Notiz an mich: Lexi unbedingt fragen, vorausgesetzt man trifft sie alleine und ohne ihren „Zwilling“ an).

Ich sagte euch ja schon, dass mich die letzten Tage extrem verwirrt hatten, nichts war mehr so wie es vorher war. Irgendetwas hatte sich in mir verändert, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen konnte, was das denn war.

Fakt war, es war da. Die Veränderung fand bereits statt, ich war mittendrin, konnte es nicht mehr aufhalten, oder doch?

Kopfschüttelnd ließ ich mich auf eine der Liegen an unserem Pool fallen. Einfach abschalten, das wäre doch genau das Richtige.

Abschalten, ja wenn ich es gekonnt hätte, denn meine Gedanken drehten sich weiterhin nur um dieses Thema: Was stimmte nicht mit mir?

Sogar Jared war es aufgefallen, Ian fiel es mit Sicherheit auch auf, aber er fügte sich seinem Schicksal und sagte nichts. Seine neueste „Aktion“ mit dem Wohnungsschlüssel verwirrte mich immer noch.

Er hatte nicht gesagt, dass er wolle dass ich bei ihm einziehe, aber wozu sollte ich sonst einen Schlüssel brauchen? Wollte er dass ich sein Haus hütete, wenn er auf Reisen war?

Ich wusste es nicht und es war mir eigentlich auch egal…


Okay, verdammt, erwischt es war mir nicht egal, sonst würde ich mir nicht pausenlos Gedanken um dieses Thema machen.

Aber mal ehrlich, ich dachte Ian hätte es begriffen gehabt, wie es lief. Keine Exklusivrechte, einfach nur ein guter Fick.

Vielleicht dachte er, dass er mich mit der Hilfe eines Schlüssels an sich binden konnte. Ein Schlüssel zum Bezähmen? Verrückt.

Zwei Wochen würde er weg sein, eine lange Zeit, wenn man bedachte dass Jared sich ebenfalls versuchte in mein Herz zu schleichen.

Eigentlich war es genau das, was ich wollte. Warum bekam ich nur plötzlich solche Angst?


Ian war zweifelsohne ein super Typ, um ehrlich zu sein genau mein Typ. Blaue Augen, einen Wahnsinnskörper, seine Art, sein schiefes Lächeln und was für mich eigentlich am Wichtigsten sein sollte, er wusste genau was er tat. Im Bett harmonierten wir einfach perfekt und er wollte mich, schien wirklich etwas mehr zu wollen als mich einfach nur ab und zu zu vögeln.

Die Frage aller Fragen war jedoch, war ich denn bereit für mehr????

Jared hatte mich gebeten mich zu entscheiden, nur für was? Hieß es jetzt, er oder ich? Ian oder Jared?

Beide hatten zweifelsohne ihre Vorteile. Aber wollte ich das überhaupt?

Im Grunde kannte ich beide überhaupt nicht. Klar, ich hatte mir das selbst zuzuschreiben, weil ich nie jemanden wirklich an mich heran ließ aber.. Ach verdammt, sie hatten sich Mühe gemacht und wollten mich kennen lernen, alle beide, aber ich hatte sie immer wieder abgeblockt. Hatte mich nie wirklich viel mit ihnen unterhalten, was für eine kranke Person war ich eigentlich?

So würde ich auf Dauer die Arschkarte haben, was würde passieren wenn Lexi zu Shannon ziehen würde? Ich meine beste Freundin für immer verlieren würde?

Mein Atem beschleunigte sich und ich gab mich meiner Horrorvorstellung hin. Ich ganz alleine, für den Rest meines Lebens.

Mein Handy riss mich aus dieser Traumvorstellung. Ohne auf den Anrufer zu achten, nahm ich ab.

„Katherine Matthews.“

„Du meldest dich tatsächlich mit Katherine?“, ich vernahm ein Kichern. Oh verdammt.

„Halt die Klappe.“, gab ich daher barsch zurück.

„Sei nicht immer gleich so mies drauf, was machst du gerade?“, Jared klang ernsthaft interessiert.

„Sonnen. Zumindest versuche ich es…“

„Zu Hause?“

„Ja wo denn sonst?“, ich prustete los.

„Hm, ich habe mir sagen lassen, dass es schöne Strände in LA gibt.“

„Ich bin nicht so der Strandtyp.“, erklärte ich ehrlich. Ich hasste dieses Schaulaufen am Strand zu sehr, daher blieb ich lieber am heimischen Pool.

„Wieso nicht? Und außerdem mit mir warst du am Strand.“

„Da war es auch dunkel und außerdem hast du mich quasi gezwungen.“

„Nein nein, ich musste ich gar nicht zwingen, du bist von ganz alleine mit.“ Er unterdrückte ein Lachen.

„Gar nicht, du hast mich überfallen…“, konterte ich lässig und spielte mit einer Haarsträhne.

„Kat?“

„Hm..?“

„Du siehst verdammt heiß in deinem schwarzen Bikini aus.“

Mein Lachen erstarb und abrupt setzte ich mich auf. „Woher weißt du was ich anhabe?“

„Weil ich dich sehen kann.“, erwiderte er leise.

„Wo zur Hölle steckst du, du elendiger Spanner!“, gab ich seufzend zurück und schrie im selben Moment laut auf, als mich zwei Arme umfingen.

Mein Kopf fuhr herum und ich sah in Jareds grinsendes Gesicht. „Du verdammter Scheißkerl, woher…Oh man Lexi.“

Er nickte, gab mir einen kleinen Kuss auf den auf den Scheitel und ließ sich hinter mich in die Liege fallen.

„Ich soll dir übrigens schöne Grüße bestellen.“ Er lachte und zog mich zu sich heran.

„Schön dass du meine beste Freundin, jetzt schon häufiger siehst als ich sie selbst.“

„Hast du gewusst, dass sie zusammen wegfahren übers Wochenende?!“

„Tun sie das denn?“

„Hm..“ Jared legte seinen Kopf an meiner Schulter ab. „Shannon hat wirklich einen Narren an ihr gefressen.“

„Warum erzählst du mir das alles?“

„Warum bist du immer so eiskalt?“, kam es als Gegenfrage zurück.

„Keine Ahnung, Selbstschutz.“, gab ich schulterzuckend zurück.

„Vertraust du denn niemanden?“

„Ich vertraue Lexi, das reicht, denke ich.“

„Hm..“

„Jared…“, ich drehte mich in seinen Armen herum und sah ihm tief in die Augen. „Was machst du hier?“

„Kannst du dir das nicht denken?“ Er lächelte. „Ich brauche meine Jacke.“

„Oh achso natürlich, wie konnte ich das vergessen.“, ich wollte aufstehen aber er hielt mich zurück, zog mich dichter an sich heran.

„Was wird soll das hier werden Jared Leto?“, fragte ich nervös, mein Herz pochte mir bereits jetzt schon bis zum Hals und meine Atmung hatte sich unweigerlich beschleunigt.

Sanft legte er eine Hand an meine Wange und überbrückte den letzten Abstand zwischen uns.
Zaghaft küsste er mich, wartete meine Reaktion ab. Ich konnte nicht anders als den Kuss zu intensivieren und meine Lippen für ihn zu öffnen. Es war ein zärtlicher, liebevoller Kuss, den Jared viel zu schnell für meinen Geschmack beendete.

Forschend sah er mich und ließ seinen Blick über mich gleiten. Seine Augen glühten.

„Gefällt dir was du siehst?“, fragte ich daher kleinlaut.

„Ja, sehr sogar.“, er lächelte und fuhr sich mit seiner Zunge über seine Unterlippe.

„Was wird das hier?“

„Ich habe keine Ahnung, aber ich möchte es gerne herausfinden.“, erwiderte er mit belegter Stimme und genau im selben Moment trafen sich unsere Lippen erneut.
„Hey aufstehen Liebes.“, hörte ich eine Stimme leise flüstern, während eine Hand langsam auf meinem Rücken entlang fuhr.

„Hm…“, grummelte ich und drehte mich um, sah in ein grinsendes Gesicht.

Ich seufzte zufrieden und griff nach der Tasse, die Ian in der Hand hielt.

„Hey das ist meiner.“, lachte er, überließ mir seine Tasse aber trotzdem.

Ich lächelte und trank einen großen Schluck des warmen Kaffees.

„Musst du los?“, fragte ich neugierig, da Ian schon komplett angezogen vor mir saß.

„Ja, ich muss wieder nach Vancouver.“

„Oh…wann kommst du wieder?“

„In zwei Wochen denke ich. Wenn du willst kannst du mich ja besuchen kommen?“

„Nach Vancouver? In die Kälte? Ganz sicher nicht.“, gab ich fast tonlos zurück.

„Du bist unverbesserlich.“ Lachend schüttelte er seinen Kopf. „Du kannst hier bleiben, wenn du willst, ich hab dir den Ersatzschlüssel in der Küche hingelegt.“

„Ehm, wieso? Falls du dich erinnerst, ich habe ein Zuhause.“

„Einfach so...“ Ian sah auf seine Armbanduhr. „Uff, ich muss wirklich los.“

„Hm… dann viel Spaß in der Kälte.“

„Du bist doch nur neidisch.“ Er beugte sich zu mir herunter und sah mir tief in die Augen, ehe er sanft seine Lippen auf die meinen legte. Ich vertiefte den Kuss nicht, da ich es hasste jemanden zu küssen, wenn ich mir meine Zähne noch nicht geputzt hatte. Wissend löste er sich von mir. „Ich ruf dich an Babe.“ Dann stand er auf, warf mir noch eine Kusshand rüber und verließ das Schlafzimmer. Ein paar Sekunden später hörte ich die Haustür ins Schloss fallen. Er war weg.


Nach einer ausgiebigen Dusche und einem weiteren Kaffee, machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Natürlich nicht ohne vorher noch das Bett zu machen, ich wusste ja schließlich, was sich gehört. Den Schlüssel, den Ian mit einem kleinen Zettel in der Küche neben der Kaffeemaschine deponiert hatte, ließ ich liegen. Ich wollte keinen Schlüssel zu seinem Haus, so verlockend es war, nein danke. Zuviel Bindung wollte ich dann doch nicht. Und es kam mir irgendwie so vor als würde Ian erwarten, dass ich bei ihm herum hing oder so. Ich meine, ich wusste ja immer noch nicht was das mit uns war, beziehungsweise ob das was werden sollte, wie auch immer.

Ich schnappte mir die schwarze Lederjacke und musste unweigerlich Grinsen. Jared. Ich sollte ihn anrufen hatte er gesagt und ja, jetzt hatte ich sogar einen guten Grund. Ich hatte immer noch seine Jacke.

Ian schien sich daran kein bisschen zu stören. Er hatte nicht weiter nachgefragt, für ihn war die Sache erledigt, nachdem ich mit ihm nach Hause gefahren war. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Nacht mit Ian mir den Abend versüßt hatte.

Warum auch immer, völlig untypisch für mich, ich hatte irgendwie ein schlechtes Gewissen.

Ich hatte keine Ahnung in welcher Ecke von LA ich mich befand, als ich die Tür hinter mir zu zog. Bei Nacht sah eben alles ein wenig anders aus. Staunend sah ich mich um, Hollywood Hills, nette Gegend. Allerdings weit und breit kein Taxi in Sicht.

Super, laufen war angesagt. Ich zog meine High Heels aus und warf noch einmal einen prüfenden Blick nach links und rechts. Neben Ians Haus erstreckten sich noch weitere Häuser die Straße entlang und den Berg hinauf. Ich überlegte kurz, Lexi hatte mir erzählt dass die Letos hier in der Gegend wohnten, wo genau wusste ich allerdings nicht und ich würde mir bestimmt nicht die Blöße geben und Jared nun anrufen.

Ich trut immer noch mein bronzefarbenes Abendkleid, er hätte sofort gewusst was Sache war, also nein. Ich beschloss die Strasse also hinunter zu gehen, immerhin musste ich den Berg nicht hinauf. Ich konzentrierte mich darauf nicht hinzufallen, dank diverser kleiner Steinchen, war ich gezwungen meine Jimmy Choos wieder anzusehen und stöckelte nun die Strasse herunter. Kein schöner Anblick, wenn ihr mich fragt.

Da es noch relativ früh am Morgen war, hoffte ich inständig niemanden zu begegnen den ich kannte.

Mein Wunsch blieb unverfüllt, als ich neben mir ein Auto zum Stehen kam. Ich verfluchte mich selbst innerlich, drehte mich aber nicht zu dem Fahrer um, der jetzt langsam neben mir herfuhr.

„Guten Morgen.“, begrüßte mich eine gut gelaunte Stimme und ich blieb abrupt stehen.

„Das war so klar gewesen! Kann ich nicht einmal Glück haben.“, schalt ich mich selbst und drehte mich mit einem gekünzelten Lächeln um.

Er stoppte seinen schwarzen Jeep und grinste mich an. „Soll ich dich vielleicht irgendwohin mitnehmen?“

„Nein danke, ich kann laufen.“, gab ich zurück.

„In den Schuhen den Berg weiter runter? Bist du sicher dass du dir das antun willst?“

„Oh das hatte ich ja ganz vergessen du hast ja soviel Erfahrung im Tragen von High Heels.“, murmelte ich zickig und setzte mich wieder in Bewegung.

Ich hörte eine Autotür zufallen und wenige Augenblicke später tauchte Jared vor mir auf.

„Hey das war nur ein Angebot, ich wollte nett sein.“

„Hm… ja sicher.“

Jared seufzte und hielt mich sanft am Arm fest, so dass ich meinen Blick hob und ihn ansah.

„Was willst du Leto?“

„Was ist los mit dir Kat, ich dachte…“

„Was???? Dachtest du ich springe dir sofort in die Arme, nachdem was gestern Abend passiert ist?“

„Nein, aber ich dachte zumindest du würdest …“

„Ich würde was???“, fauchte ich ihn wütend an.

Er hielt einen Moment inne und beobachtete mich. Er machte mich wahnsinnig, warum konnte er nicht einfach weiterfahren?

Ich fühlte mich von ihm irgendwie ertappt. Ich trug dieselbe Kleidung wie gestern Abend, natürlich konnte er sich denken, dass ich die Nacht bei Ian verbracht hatte. Ich hatte ein komisches Gefühl im Magen und mir wurde speiübel.

„Komm ich fahr dich nach Hause, du zitterst… Ist alles okay??“ Jared legte behutsam einen Arm um mich und ich ließ mich ohne Widerrede zum Wagen bringen. Stieg schweigend ein und sah stur aus dem Fenster.

„Was stimmt nicht mit dir Kat?“

„Ich dachte du wolltest mich nach Hause fahren, willst du jetzt hier Wurzeln schlagen oder was?“

Jared nickte und startete den Wagen.


Ich sah während der Fahrt weiterhin stur aus dem Fenster, Jared schwieg ebenfalls, als er allerdings die Einfahrt zu unserem Haus hinauf fuhr und parkte, entschied er sich dafür dass unser angefangenes Gespräch noch nicht vorbei war.

Ich hatte meine Hand bereits am Türgriff als er mich zurückhielt. „Warte Kat.“
Laut ausatmend drehte ich mich zu um ihm, Jared zog seine dunkle Sonnenbrille ab und musterte mich erneut.

„Was ist los mit dir Kat?“

Eisern zog ich vor zu schweigen. Was sollte schon nicht mit mir stimmen? Okay, war mehr als verwirrt, von meinen Gefühlen überwältigt, aber das würde ich ihm wohl kaum auf die Nase binden.

„Hat er… hat er dir etwa wehgetan?“

„Was?“, fragte ich durcheinander.

„Ian, hat er dir wehgetan?“, wiederholte er seine Frage sanft.

„Nein…Wie kommst du darauf?“

„Weil du wie von der Tarantel gestochen, diesen Hügel herunter gerannt bist, als wäre irgendjemand hinter dir her oder so.“

„Jared, ich wüsste wirklich nicht, was…“, wollte ich ihn gerade anfahren, als seine warmen Lippen auf meinen lagen.

Ich hatte gar nicht bemerkt dass er sich abgeschnallt und näher zu mir herüber gebeugt hatte. Ich schob ihn von mir weg, um ihn einen Moment fragend anzusehen, ehe ich ihm meine Hände in den Nacken legte und wieder näher zu mir heranzog. Sofort presste er seinen Mund auf den meinen, neckte meine Unterlippe mit seiner Zunge. Bereitwillig gewährte ich ihm Einlass und intensivierte den Kuss.

Jareds Hände wanderten meinen Rücken herunter, umfassten meine Hüfte. Er drückte sie sanft und zog mich in einer schnellen Bewegung zu sich auf den Schoß.

Was zum Teufel machte ich da? Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, ließ es einfach geschehen.

Nimm was du kriegen kannst – und jetzt bekam ich es wirklich. Ich bekam Jared. Er wollte mich, begehrte mich, was ich deutlich an meinem Oberschenkel spüren konnte.

Wir küssten uns mit einer Intensivität, die ich nicht kannte. Wie zwei ertrinkende hingen wir aneinander, er hatte mich am Haken, wie einen hilflosen Fisch.

Außer Atem lösten wir uns von einander. „Ich sollte… reingehen.“

„Solltest du…“, gab er leise zurück.

Ich kletterte von seinem Schoß herunter und stieg aus seinem Jeep.

„Danke fürs mitnehmen. Ach so hier…“ Ich schälte mich aus seiner Lederjacke und wollte sie ihm zurückgeben aber er winkte ab.

„Behalt sie.“

„Wieso..nein…das kann ich..“, stammelte ich nervös herum.

"Entspann dich Kat. Somit hab ich einen Grund dich wieder zu sehen!" Grinsend zwinkerte er mir zu, drehte den Wagen und fuhr davon...






„Kat, Ian ist da!“, rief Lexi die Treppe hoch. „Beweg deinen Arsch hier runter, ich bin sicher er wird dich so mitnehmen, egal welches Outfit es nun geworden ist.“

CI
Unsicher stand ich vorm Spiegel, ich trug ein eng anliegendes Bronzefarbiges Kleid. Es war asymmetrisch, hatte nur einen Träger über meiner rechten Schulter, war an den Seiten ein wenig gerüscht, was aber kaum auffiel. Im Grunde sah es aus als wäre es einfach nur ein wenig zusammengerafft worden, abgerundet wurde das ganze mit einem schwarzen Gürtel, der den Kontrast bot. Es saß perfekt, brachte meine schlanke Figur gut zur Geltung.

Es klopfte und wenige Sekunden trat Ian herein. Er trug einen dunkelblauen Anzug, samt passender Hose, weißem Hemd und schwarzen eleganten Schuhen. „Hey Baby.“, sofort legten sich seine Arme um meine Hüfte und er gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange, betrachtete uns beide im Spiegel. „Woran haperts?“

„An allem.. ich weiß nicht was ich anziehen soll?“, erklärte ich schulterzuckend.

„Also ich finde…“, er fuhr mit seinen Händen an meinen Seiten entlang. „…das Kleid wunderschön. Jetzt zieh dir Schuhe an und dann können wir gehen.“

Ich warf ihm einen bösen Blick zu, was ihn zum Lachen brachte. „Ehm, wie lange denkst du brauchst du noch?“

„Also ich muss mich noch für Schuhe entscheiden und fertig geschminkt bin ich auch nicht.“

„Bist du nicht schon geschminkt?“

Ich drückte ihn von mir weg. „Hau ab, oder ich werde gar nicht mehr fertig.“

Beschwichtigend hob Ian die Hände. „Ich warte dann wohl lieber unten auf dich.“, murmelte er lachend und verließ mein Zimmer.


Knapp eine Stunde später war ich wirklich zufrieden mit meinem Erscheinungsbild. Ich hatte mir Lexis schwarze Jimmy Choos geliehen, schwarze traubenförmige Kristallohringe, die am oberen Ende von einer rosa Perle von zwei Zirkonien getrennt wurde. Ein echter Blickfang.
Mein Smokyeyes Make up und der pinke Lipgloss rundeten mein Outfit ab. Da ich meine Nägel noch mit schwarzem Nagellack versehen hatte, hatte sich meine Stylingaktion in die Länge gezogen.

Breit grinsend kam ich ins Wohnzimmer, in dem Ian und Lexi auf der Couch saßen und sich unterhielten.

„Aaaaaaaaah es geschehen noch Wunder.“, lächelte Lexi und stand auf. „Lass dich ansehen.“

Ich drehte mich einmal für sie und sie sah mich bewundernd an. „Wow du siehst klasse aus.“

„Danke… Gut Ding brauch eben Weile.“, gab ich kichernd zurück und wandte mich an Ian, der ebenfalls aufgestanden war. „Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, nimmst du mich so mit?“

Sofort war er bei mir und zog mich zu sich heran. „Du wirst der Blickfang des Abends sein Baby.“

Er grinste teuflisch ehe er mir in den Po kniff. „Wir müssen los…“

Ich nickte, schnappte mir meine schwarze trägelose Stelle McCartney Handtasche und lächelte Lexi zu. „Warte nicht auf mich, könnte spät werden.“


************



Verdammt, eigentlich hätte ich wissen müssen, dass er auch hier sein würde. Wer?
Jared, natürlich.

Ich hatte ihn anfangs gar nicht bemerkt, war mit Ian ganz lässig den roten Teppich entlang geschritten, lächelte hier und dort, während Ian Interviews gab. Fragen, ob ich denn seine Freundin wäre, wich er geschickt mit „Ja, Katherine Matthews ist meine Begleitung“ aus.

Jared hatte mich offenbar schon die ganze Zeit beobachtet und auch jetzt spürte ich seinen Blick auf mir. Ich stocherte in meinem Salat herum, konnte aber nicht wirklich irgendetwas herunter kriegen. Ian unterhielt sich angeregt mit seinen Kollegen. Paul kannte ich ja bereits, Nina sowie die anderen waren sehr nett, aber dennoch kam ich mir fehl am Platz vor.

Ich sah mich ein wenig um und traf den eiskalten Blick von Jared. Er stand an eine Säule gelehnt, ein paar Meter entfernt. Sein Blick durchbohrte mich und mir lief augenblicklich ein Schauer über den Rücken.

Ian zog beugte sich zu mir herüber und strich sanft über meine Hand. Abrupt fuhr ich herum und sah ihn an. Er grinste. „Wollen wir tanzen?“

„Okay.“, nuschelte ich mehr schlecht als recht.

Ian stand auf und nahm meine Hand, gemeinsam schritten wir zur Tanzfläche, die sich in der Mitte des großen Raumes befand. Mehrere große Kronleuchter erhellten den Tanzbereich. Der Raum war an sich wunderschön festlich geschmückt. Die Tische waren komplett weiß gehalten, weiße Tischdecke, weiße Servietten, weißes Geschirr. Schlicht aber edel. Um die Tische herum waren große Kerzenständer verteilt, die mit Efeu behangen waren, was dem ganzen eine romantische Stimmung verlieh.

Ian legte seine Arme um meine Hüfte und drückte mich näher an sich heran, während wir im Einklang zur sanften Musik tanzten.

„Gefällt es dir?“, fragte er leise.

„Hm.. ist nett.“

„Hat dich dein Dad, denn nie zu so was mitgenommen?“

Woher wusste er… „Ich hab mich über dich informiert Kat.“, unterbrach er meinen Gedankengang.

„Wieso?“

„Ich mag dich, das sagte ich dir doch schon.“ Er ließ von mir ab und drehte mich herum, ehe er wieder die Arme um meine Hüfte legte.

„Wieso fragst du mich nicht, sondern benutzt Tante Google?“

„Hättest du mir denn was erzählt, du bist immer so verschlossen.“, flüstere er dicht neben meinem Ohr.

Und ich wusste dass er damit Recht hatte, was wusste er denn schon von mir, sobald er mich etwas fragte, bekam er sarkastische Antworten. Ich hatte mich nie für einen meiner Ficks geöffnet, warum auch. Es war ein kommen und gehen gewesen bisher.

„Hey, alles okay?“, fragend sah er mich an und strich sanft über meine Backe.

„Ich hab dich gar nicht verdient.“, seufzte ich. Gott bekam ich jetzt meinen Sentimentalen oder was? Ich musste hier raus und zwar dringend.

„Baby, du hast soviel mehr verdient, wenn du es nur lassen würdest.“ Er legte die andere Hand ebenfalls an meine Wange und zog mich dichter an sich heran, hielt einen Moment inne, eher sanft seine Lippen auf die meinen sinken ließ. Es war ein zärtlicher, inniger Kuss und ich hatte das Gefühl dass Ian wirklich etwas an mir lag und er mir zeigen wollte, dass ich ihm vertrauen konnte. Aber konnte ich das wirklich?

Dieses komische Gefühl, was sich in meiner Bauchgegend ausbreitete, schnürte mir fast die Kehle zu. Abprubt löste ich mich von Ian und sah ihn entschuldigend an. „Ich muss an die frische Luft, tut mir leid.“

„Möchtest du dass ich dich begleite?“, in seiner Stimme schwang soviel Sorge mit, dass ich nur noch mehr Panik bekam.

„Nein, es wird schon gehen.“ Ich drehte mich um und verschwand, ließ ihn einfach so auf der Tanzfläche stehen.

Ich rannte förmlich aus dem Saal, direkt zu der kleinen Parkanlage, die zum Anwesen gehörte. Seufzend lehnte ich mich an eine Wand und schloss für einen Moment die Augen. Ich genoss den Moment der Stille, die frische Luft und mir wurde plötzlich unweigerlich kalt. Ich hatte die kühle Novemberluft unterschätzt und auch wenn es in Los Angeles nicht wirklich Winter wurde, so war es dennoch abgekühlt.

„Hier.“, hörte ich eine vertraute Stimme sagen und öffnete meine Augen, begegnete direkt den eisblauen Augen, die mich neugierig musterten.

„Eh was..?“, stotterte ich herum und sah ihn fragend an.

„Hier nimm meine Jacke.“, wiederholte er bestimmend und hielt mir seine schwarze Lederjacke entgegen. Dankend nickte ich und zog mir diese über.

„Passt zwar nicht zu deinem Kleid, aber wenigstens ist dir nicht mehr kalt.“, sagte er feststellend und grinste. „Gehen wir ein Stück? Sie haben hier einen schönen Garten.“

„Hm..“, murmelte ich und stieß mich von der Wand ab.

Schweigend liefen wir nebeneinander her, kamen vorbei an riesigen Beeten mit den verschiedensten Blumenarten, die man im Mondschein erkennen konnte. Wir liefen über eine kleine Holzbrücke, die über einen Bach führte und setzen uns schließlich auf eine Bank unter einer großen Eiche.

„Ich wusste gar nicht dass du auch hier sein würdest.“, durchbrach ich schließlich die Stille.

„Ich wusste dass du hier bist.“

„Wie…“, ich hielt inne. „Shannon!“

„Ja, deine Freundin hat es ihm erzählt.“

„Sie hat einen Namen.“, tadelte ich ihn.

„Entschuldige, Lexi hat es ihm erzählt.“

„Was machst du hier?“, fragte ich weiter.

„Ich wollte dich sehen.“

„Du weißt schon, dass ich mit Ian hier bin?“. Ich hob eine Augenbraue und verfluchte mich in dem Moment innerlich, denn er sah mich so intensiv an, dass mir, wenn wir nicht gesessen hätten, die Beine weggeknickt wären.

„Bist du denn glücklich?“

„Bitte was? Ob ich glücklich bin?“

„Du siehst nicht glücklich aus, jedenfalls hast du nicht so ausgesehen, als du so überstürzt die Tanzfläche verlassen hast!“

„Hast du mich etwa beobachtet!“, spie ich entsetzt aus, obwohl ich die Antwort schon wusste.

„Es na ja…“

„Jared was zum Teufel willst du eigentlich von mir? Was soll dieses Scheißspielchen?“

Mittlerweile war ich aufgesprungen und funkelte ihn wütend an. Wie in Zeitlupe stand er auf, sah mir tief in die Augen, beugte sich langsam zu mir herunter. Sein Duft umwirbelte mich, Gott was roch dieser Mann einfach gut. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter, mein Herz pochte mir bis zu Hals.

„Was willst du denn Kat?“, fragte er mich plötzlich, aus heiterem Himmel, flüsternd.

„Ich?“, stammelte ich verwirrt. „Ich.. ich …“

„Also ich weiß, was ich will…“

„Und das wäre?“ Ich wusste überhaupt nicht, was er jetzt von mir wollte und war umso überraschter als er den letzten Abstand zwischen uns überbrückte, seine Hände an meine Wangen legte und seine Lippen auf die meinen presste. Zaghaft fuhr er mit seiner Zunge an meiner Unterlippe entlang und ohne weiter zu überlegen, öffnete ich diese für ihn und stöhnte in den Kuss hinein als sich unsere Zungen trafen. Jared vertiefte sofort unseren Kuss und legte seine Arme um meine Hüfte, drückte mich fest an sich.

„Kaaaaatherine? Kaaaaaaaaaatherine?“, hörte ich jemanden von weit her rufen und ich so schwer es mir viel, ich musste mich von Jared lösen. Er sah mich eindringlich an, auch er hatte Ian rufen gehört.

„Überleg dir, was du willst Kat und ruf mich an.“

Verunsichert sah ich ihn an, als er noch einmal sanft seine Lippen auf meine drückte, dann drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit.

Wenige Sekunden später tauchte Ian neben mir auf. „Hey Katherine, ich hab dich …. Wessen Jacke ist das?“

„Ich ähm… Mir war kalt und Jared war so freundlich mir seine Jacke zu leihen.“

„Oh…okay…Wusste gar nicht dass dieser Vogel auch hier ist.“ Er runzelte seine Stirn und musterte mich eingehend. „Geht’s dir gut, möchtest du nach Hause oder so?“

„Ich wollte mir einfach nur den schönen Garten hier ansehen…Frische Luft schnappen, aber wenn du gehen möchtest können wir das natürlich.“, gab ich gespielt grinsend zurück.

„Gut dann fahren wir… Ich hab eine Überraschung für dich.“ Er legte einen Arm um mich und zog mich dicht an sich heran.

Ob er Jared an mir riechen konnte? Ich wusste es nicht, jedenfalls sagte er nicht ein Wort.

„Eine Überraschung?“

„Nichts besonderes aber ich dachte wir fahren zu mir.“, sagte er lächelnd und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich war zu keiner Antwort mehr fähig, dieser ganze Abend hatte mich mehr als verwirrt.






Kat Pov

Es klickte in der Leitung. Keuchend atmete ich aus, das konnte doch jetzt nicht wahr sein. Ich warf einen Blick in den Spiegel. Gott sah ich scheiße aus. Meine langen braunen Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, ich trug eine schlampige, ausgeleierte graue Jogginghose, dazu ein rosafarbenes eng anliegendes Top. Es klingelte ein weiteres Mal.

Verdammt, so konnte ich wohl kaum die Tür öffnen, er würde schreiend davon laufen.

Es klopfte und ich konnte einen Schatten an der Einganstür erkennen. Argh, verdammt. Ich verfluchte mich selbst, schloss für einen kurzen Moment die Augen und öffnete die Tür.

„Ich dachte schon du wärst nicht zu Hause.“

Okay offen gestanden war das nicht die Person, die ich erwartet hatte.

„Ehm, was willst du hier?“, fragte ich Ian verwirrt.

„Nettes Outfit.“, säuselte er süffisant.

„Halt die Klappe.“

„Ich war in der Nähe…“ War das so was wie ein neuer Modespruch?

„Spar dir das. Also?“, auffordernd sah ich ihn an.

„Ich wollte dich sehen.“, erwiderte er ehrlich.

„Aha.“, gab ich tonlos zurück.

„Ich schütte dir gerade mein Herz aus und alles was du dazu zu sagen hast ist AHA?!“ Ian lächelte und auch wenn ich es nicht zugeben wollte, sein Lächeln machte mich an, allerdings war das ein denkbar schlechter Zeitpunkt.

„Ian, so gern ich unser Gespräch vertiefen würde, aber ich erwarte Besuch und ich muss mich noch fertig machen.“

„Alles klar, ich hab schon kapiert. Keine Exklusivrechte.“ Grinsend hob er eine Augenbraue. „Ich komme auch nur vorbei, weil ich dir das hier geben wollte.“, er hielt mir einen Briefumschlag entgegen. „Ich möchte dass du mich dahin begleitest. Überleg´s dir und ruf mich an.“ Ian beugte sich zu mir vor und gab mir einen kurzen Kuss auf die Wange. „Bis bald Kat.“ Und so schnell wie er gekommen war, war er schon wieder verschwunden und ich stand völlig verdattert an der noch offnen Tür.

Kopfschüttelnd schloss ich diese und nahm den Briefumschlag genauer unter die Lupe. Es war eine Einladung zu einer Charitygala. Ich las mir nicht genau durch um welche Organisation es sich handelte, musste aber grinsen als ich daran dachte, welche Auswirkungen unser beider auftreten, dort haben würde. Natürlich würde ich ihn begleiten, was für eine Frage.

Es klopfte erneut, da ich immer noch an der Tür stand, öffnete ich diese direkt. „Ian ich hab dir doch gesagt..“ Ich verstummte als mich mein Gegenüber aus zwei eisblauen Augen anstarrte. „DU?“

„Ich hab gesagt, ich bin in der Nähe, aber offenbar hast du mich nicht erwartet!“ Er lächelte amüsiert. „Darf ich reinkommen?“

„Ehm, ja natürlich.“ Nervös fuhr ich mir durch die Haare und ließ Jared herein.

„Ehrlich gesagt, hielt ich das für einen Witz.“, gab ich seufzend zurück.

„Wenn ich dein Outfit näher betrachte, würde ich mich vermutlich genauso verteidigen.“

„Hey, ich dachte ich hab den Abend für mich ja.“, frotzelte ich. „Geb´ mir ein paar Minuten okay.“

„Klar wenn ne Frau sagt ein paar Minuten, handelt es sich immer um Stunden.“

Ich warf ihm einen bösen Blick zu, der ihn nur noch mehr zu amüsieren schien. „Und das aus dem Mund einer Diva.“

„Mach dir keinen Stress Kat, wir können auch hier bleiben.“

„Ich bleibe ganz bestimmt nicht mit dir bei mir zu Hause.“

„Wieso, hast du etwa Angst vor mir?“, fragte er herausfordernd.

„Nein, aber es reicht wenn sich einer von euch Letos schon hier einquartiert.“, gab ich zischend zurück und verschwand nach oben.

Ich weiß nicht wie, aber ich hatte es geschafft mir binnen von fünf Minuten ein neues Shirt und eine dunkelblaue Jeans überzuziehen, meine schwarzen Chucks rundeten das Gesamtbild ab.
Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen stolzierte ich wieder ins Wohnzimmer. Jared saß auf unserem Sofa und tippte irgendwas in sein BlackBerry hinein.

„Ich bin fertig und siehst du, nur wenige Minuten.“

„Ja ein Weltwunder.“, erwiderte er und stand auf. „Du solltest dir ne Jacke mitnehmen, es wird kalt werden.“

„Sicher Daddy.“, provozierend streckte ich ihm die Zunge heraus, schnappte mir meine Tasche und lief zur Haustür.


„Du bist mit dem Rad da?“, fragte ich entsetzt als ich sein Fahrrad in unserer Auffahrt stehen sah.

„Gut für die Umwelt und die Gesundheit. Kann ich das hier stehen lassen?“

Ich nickte. „Also wohin gehen wir?“

„Wie ich schon sagte an den Strand. Komm.“ Jared wollte meine Hand nehmen, aber ich entzog sie ihm, wollte es ihm einfach nicht so einfach machen. Er kommentierte das Ganze nur mit einem weiteren süffisanten Grinsen.

Schweigend liefen wir nebeneinander her, erreichten wenige Minuten später den Sandstrand, der sich nur wenige Querstraßen hinter meinem Haus befand.

„Warum die Blumen?“, durchbrach ich das Schweigen.

„Ich wollte mich entschuldigen.“

„Warum?“

„Du weißt genau warum Kat.“, tadelte er mich.

„Würde ich sonst fragen?“

„Kat du bist ein schlaues Mädchen, also weißt du bereits warum.“

„Schon gut, schon gut.“, murmelte ich leise. „Danke jedenfalls.“

„Keine Ursache.“

„Darf ich dich was fragen?“

„Nur zu.“ Er blieb stehen und seine Augen reflektierten den Mondschein. Er sah zum anbeißen aus.

„Warum bist du hier?“

„Kein Ahnung, warum bist du es?“ Jared legte den Kopf schief und sah mich forschend an. Ich überlegte einen Moment, ehe ich antwortete.

„Weil du mich quasi überfallen hast.“, gab ich lachend zurück.

„Du hättest mich abwimmeln können, wie diesen Typen.“

Na toll, er hatte mich und Ian also zusammen gesehen.

„Keine Sorge, es ist deine Sache. Aber um ehrlich zu sein, deine kleine Freundin ist an dem hier nicht ganz unschuldig.“ Jared lief langsam weiter.

„Ach, also hat sie dich gezwungen mit mir auszugehen? Verdammt das ist ein Date!“

„Sie nicht, aber Shannon.“, er lachte abermals. „Denkst du nicht ich hätte mehr Stil und würde dich wenigstens zum Essen einladen, wenn das hier ein Date wäre?“

„Keine Ahnung, ich hab das Gefühl, dich kein bisschen zu kennen, du bist so unberechenbar.“

„Das liegt vielleicht daran, dass du mich wirklich nicht kennst, Kat. Du hast deinen Eindruck, den du von mir hast mit Sicherheit aus der Klatschpresse. Stimmt´s oder hab ich recht?“ Jared streckte er mir seine Hand entgegen. „Aber du kannst versuchen, mich kennen zu lernen.“

Abschätzend sah ich ihn an, war das sein Ernst? Kopfschüttelnd lief ich weiter.

Offenbar konnte er in mir lesen wie in einem offenen Buch, denn er schmunzelte. „Du müsstest deinen Gesichtsausdruck mal sehen. Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“

„Du bist komisch.“

„Bin ich das?“ Wieder dieses süffisante Grinsen. So langsam wurde ich sauer.

„Ja bist du, ich weiß einfach nicht warum du so bist, wie du bist.“

„Ich bin vorsichtig, dass muss man in meinen Business sein, aber gegen ein wenig Spaß ist doch nichts einzuwenden.“

„Was für ein scheiß Spiel, spielst du hier eigentlich Jared?“, fragte ich geradeheraus und funkelte ihn böse an.

„Was für ein Spiel spielst du Kat?“ Wütend machte ich auf der Stelle kehrt und lief zurück, als er wieder neben mir auftauchte.

„Hey, was soll das werden?“

„Ich gehe zurück nach Hause.“

„Warum?“, er versuchte mich an den Armen festzuhalten, ich wehrte seine Hände allerdings ab.

„Weil ich keinerlei Antwort von dir bekomme, jede Frage, beantwortest du mit einer Gegenfrage. Du willst, dass ich dich kennen lerne, wie soll das gehen ohne Antworten Jared! Tut mir leid, aber verarschen kann ich mich alleine.“, brüllte ich gerade heraus und ließ ihn stehen.

Wütend schmiss ich die Haustür zu. Lexi und Shannon schienen noch unterwegs zu sein, was mir auch sehr gelegen kam. Ich musste erstmal runterkommen, sonst hätte ich Lexi vermutlich ziemlich zusammengestaucht.

Was bildete sich dieser Typ überhaupt ein? Ich zitterte am ganzen Körper, so aufgewühlt war ich. Es hätte so einfach sein können, wieso war es das nicht? Etwas schien mich davon abzuhalten, mich diesem Kerl einfach an den Hals zu schmeißen. Etwas, was ich nicht verstand und genau das machte mich fertig. Ich musste ihn einfach aus dem Kopf bekommen, denn je mehr ich darüber nachdachte, was der Grund für mein Verhalten sein könnte, desto verwirrter wurde ich.

„Das ist doch alles Bullshit!“, fluchte ich und trottete in die Küche um mir ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen.

Ich fühlte mich schlecht, erkannte mich kaum wieder und das machte mir ungeheure Angst.
Während Lexi um die Häuser zog, saß ich verwirrt zu Hause. Anstatt mich zu amüsieren, wie es meine Art war, weigerte mein Inneres sich den heißesten Typen der Stadt an den Hals zu werfen und ihn zu vernaschen. Was zum Teufel stimmte nicht mit mir?

„So geht das einfach nicht.“, murmelte ich mehr zu mir selbst und griff zum Telefon.
Bereits nach dem ersten Klingeln wurde abgenommen. „Hallo Katherine.“

Ich verdrehte die Augen, musste aber dennoch Lächeln. „Hi, es tut mir leid, dass ich dich vorhin so abgewürgt habe, aber… ehm.. können wir uns vielleicht treffen und einfach ficken?“

Er lachte. „Scheint so als wäre dein Abend ziemlich beschissen gewesen, Baby.“

„Um ehrlich zu sein, ja. Tut mir leid Ian, es ist total egoistisch von mir und… vergiss es einfach.“ Ich kam mir gerade ziemlich bescheuert vor und wollte auflegen, aber er hielt mich zurück.

„Gib mir ne halbe Stunde, okay.“

„Danke. Bis gleich.“, ich wusste nicht warum, aber die Tatsache dass ich mir gerade wirklich einen Fick organisiert hatte, zauberte mir geradewegs ein Lächeln aufs Gesicht, denn das war genau das, was ich jetzt brauchte: hemmungslosen Sex, ohne Verpflichtungen.

Dafür war ich geschaffen und nicht für das Gefühlschaos, was ein gewisser Herr in mir auslöste, aber da war er nicht der Einzige, wie ich in den nächsten Wochen, feststellen musste…

Karma is a bitch....