Dienstag, 15. Februar 2011

„Kat, Ian ist da!“, rief Lexi die Treppe hoch. „Beweg deinen Arsch hier runter, ich bin sicher er wird dich so mitnehmen, egal welches Outfit es nun geworden ist.“

CI
Unsicher stand ich vorm Spiegel, ich trug ein eng anliegendes Bronzefarbiges Kleid. Es war asymmetrisch, hatte nur einen Träger über meiner rechten Schulter, war an den Seiten ein wenig gerüscht, was aber kaum auffiel. Im Grunde sah es aus als wäre es einfach nur ein wenig zusammengerafft worden, abgerundet wurde das ganze mit einem schwarzen Gürtel, der den Kontrast bot. Es saß perfekt, brachte meine schlanke Figur gut zur Geltung.

Es klopfte und wenige Sekunden trat Ian herein. Er trug einen dunkelblauen Anzug, samt passender Hose, weißem Hemd und schwarzen eleganten Schuhen. „Hey Baby.“, sofort legten sich seine Arme um meine Hüfte und er gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange, betrachtete uns beide im Spiegel. „Woran haperts?“

„An allem.. ich weiß nicht was ich anziehen soll?“, erklärte ich schulterzuckend.

„Also ich finde…“, er fuhr mit seinen Händen an meinen Seiten entlang. „…das Kleid wunderschön. Jetzt zieh dir Schuhe an und dann können wir gehen.“

Ich warf ihm einen bösen Blick zu, was ihn zum Lachen brachte. „Ehm, wie lange denkst du brauchst du noch?“

„Also ich muss mich noch für Schuhe entscheiden und fertig geschminkt bin ich auch nicht.“

„Bist du nicht schon geschminkt?“

Ich drückte ihn von mir weg. „Hau ab, oder ich werde gar nicht mehr fertig.“

Beschwichtigend hob Ian die Hände. „Ich warte dann wohl lieber unten auf dich.“, murmelte er lachend und verließ mein Zimmer.


Knapp eine Stunde später war ich wirklich zufrieden mit meinem Erscheinungsbild. Ich hatte mir Lexis schwarze Jimmy Choos geliehen, schwarze traubenförmige Kristallohringe, die am oberen Ende von einer rosa Perle von zwei Zirkonien getrennt wurde. Ein echter Blickfang.
Mein Smokyeyes Make up und der pinke Lipgloss rundeten mein Outfit ab. Da ich meine Nägel noch mit schwarzem Nagellack versehen hatte, hatte sich meine Stylingaktion in die Länge gezogen.

Breit grinsend kam ich ins Wohnzimmer, in dem Ian und Lexi auf der Couch saßen und sich unterhielten.

„Aaaaaaaaah es geschehen noch Wunder.“, lächelte Lexi und stand auf. „Lass dich ansehen.“

Ich drehte mich einmal für sie und sie sah mich bewundernd an. „Wow du siehst klasse aus.“

„Danke… Gut Ding brauch eben Weile.“, gab ich kichernd zurück und wandte mich an Ian, der ebenfalls aufgestanden war. „Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, nimmst du mich so mit?“

Sofort war er bei mir und zog mich zu sich heran. „Du wirst der Blickfang des Abends sein Baby.“

Er grinste teuflisch ehe er mir in den Po kniff. „Wir müssen los…“

Ich nickte, schnappte mir meine schwarze trägelose Stelle McCartney Handtasche und lächelte Lexi zu. „Warte nicht auf mich, könnte spät werden.“


************



Verdammt, eigentlich hätte ich wissen müssen, dass er auch hier sein würde. Wer?
Jared, natürlich.

Ich hatte ihn anfangs gar nicht bemerkt, war mit Ian ganz lässig den roten Teppich entlang geschritten, lächelte hier und dort, während Ian Interviews gab. Fragen, ob ich denn seine Freundin wäre, wich er geschickt mit „Ja, Katherine Matthews ist meine Begleitung“ aus.

Jared hatte mich offenbar schon die ganze Zeit beobachtet und auch jetzt spürte ich seinen Blick auf mir. Ich stocherte in meinem Salat herum, konnte aber nicht wirklich irgendetwas herunter kriegen. Ian unterhielt sich angeregt mit seinen Kollegen. Paul kannte ich ja bereits, Nina sowie die anderen waren sehr nett, aber dennoch kam ich mir fehl am Platz vor.

Ich sah mich ein wenig um und traf den eiskalten Blick von Jared. Er stand an eine Säule gelehnt, ein paar Meter entfernt. Sein Blick durchbohrte mich und mir lief augenblicklich ein Schauer über den Rücken.

Ian zog beugte sich zu mir herüber und strich sanft über meine Hand. Abrupt fuhr ich herum und sah ihn an. Er grinste. „Wollen wir tanzen?“

„Okay.“, nuschelte ich mehr schlecht als recht.

Ian stand auf und nahm meine Hand, gemeinsam schritten wir zur Tanzfläche, die sich in der Mitte des großen Raumes befand. Mehrere große Kronleuchter erhellten den Tanzbereich. Der Raum war an sich wunderschön festlich geschmückt. Die Tische waren komplett weiß gehalten, weiße Tischdecke, weiße Servietten, weißes Geschirr. Schlicht aber edel. Um die Tische herum waren große Kerzenständer verteilt, die mit Efeu behangen waren, was dem ganzen eine romantische Stimmung verlieh.

Ian legte seine Arme um meine Hüfte und drückte mich näher an sich heran, während wir im Einklang zur sanften Musik tanzten.

„Gefällt es dir?“, fragte er leise.

„Hm.. ist nett.“

„Hat dich dein Dad, denn nie zu so was mitgenommen?“

Woher wusste er… „Ich hab mich über dich informiert Kat.“, unterbrach er meinen Gedankengang.

„Wieso?“

„Ich mag dich, das sagte ich dir doch schon.“ Er ließ von mir ab und drehte mich herum, ehe er wieder die Arme um meine Hüfte legte.

„Wieso fragst du mich nicht, sondern benutzt Tante Google?“

„Hättest du mir denn was erzählt, du bist immer so verschlossen.“, flüstere er dicht neben meinem Ohr.

Und ich wusste dass er damit Recht hatte, was wusste er denn schon von mir, sobald er mich etwas fragte, bekam er sarkastische Antworten. Ich hatte mich nie für einen meiner Ficks geöffnet, warum auch. Es war ein kommen und gehen gewesen bisher.

„Hey, alles okay?“, fragend sah er mich an und strich sanft über meine Backe.

„Ich hab dich gar nicht verdient.“, seufzte ich. Gott bekam ich jetzt meinen Sentimentalen oder was? Ich musste hier raus und zwar dringend.

„Baby, du hast soviel mehr verdient, wenn du es nur lassen würdest.“ Er legte die andere Hand ebenfalls an meine Wange und zog mich dichter an sich heran, hielt einen Moment inne, eher sanft seine Lippen auf die meinen sinken ließ. Es war ein zärtlicher, inniger Kuss und ich hatte das Gefühl dass Ian wirklich etwas an mir lag und er mir zeigen wollte, dass ich ihm vertrauen konnte. Aber konnte ich das wirklich?

Dieses komische Gefühl, was sich in meiner Bauchgegend ausbreitete, schnürte mir fast die Kehle zu. Abprubt löste ich mich von Ian und sah ihn entschuldigend an. „Ich muss an die frische Luft, tut mir leid.“

„Möchtest du dass ich dich begleite?“, in seiner Stimme schwang soviel Sorge mit, dass ich nur noch mehr Panik bekam.

„Nein, es wird schon gehen.“ Ich drehte mich um und verschwand, ließ ihn einfach so auf der Tanzfläche stehen.

Ich rannte förmlich aus dem Saal, direkt zu der kleinen Parkanlage, die zum Anwesen gehörte. Seufzend lehnte ich mich an eine Wand und schloss für einen Moment die Augen. Ich genoss den Moment der Stille, die frische Luft und mir wurde plötzlich unweigerlich kalt. Ich hatte die kühle Novemberluft unterschätzt und auch wenn es in Los Angeles nicht wirklich Winter wurde, so war es dennoch abgekühlt.

„Hier.“, hörte ich eine vertraute Stimme sagen und öffnete meine Augen, begegnete direkt den eisblauen Augen, die mich neugierig musterten.

„Eh was..?“, stotterte ich herum und sah ihn fragend an.

„Hier nimm meine Jacke.“, wiederholte er bestimmend und hielt mir seine schwarze Lederjacke entgegen. Dankend nickte ich und zog mir diese über.

„Passt zwar nicht zu deinem Kleid, aber wenigstens ist dir nicht mehr kalt.“, sagte er feststellend und grinste. „Gehen wir ein Stück? Sie haben hier einen schönen Garten.“

„Hm..“, murmelte ich und stieß mich von der Wand ab.

Schweigend liefen wir nebeneinander her, kamen vorbei an riesigen Beeten mit den verschiedensten Blumenarten, die man im Mondschein erkennen konnte. Wir liefen über eine kleine Holzbrücke, die über einen Bach führte und setzen uns schließlich auf eine Bank unter einer großen Eiche.

„Ich wusste gar nicht dass du auch hier sein würdest.“, durchbrach ich schließlich die Stille.

„Ich wusste dass du hier bist.“

„Wie…“, ich hielt inne. „Shannon!“

„Ja, deine Freundin hat es ihm erzählt.“

„Sie hat einen Namen.“, tadelte ich ihn.

„Entschuldige, Lexi hat es ihm erzählt.“

„Was machst du hier?“, fragte ich weiter.

„Ich wollte dich sehen.“

„Du weißt schon, dass ich mit Ian hier bin?“. Ich hob eine Augenbraue und verfluchte mich in dem Moment innerlich, denn er sah mich so intensiv an, dass mir, wenn wir nicht gesessen hätten, die Beine weggeknickt wären.

„Bist du denn glücklich?“

„Bitte was? Ob ich glücklich bin?“

„Du siehst nicht glücklich aus, jedenfalls hast du nicht so ausgesehen, als du so überstürzt die Tanzfläche verlassen hast!“

„Hast du mich etwa beobachtet!“, spie ich entsetzt aus, obwohl ich die Antwort schon wusste.

„Es na ja…“

„Jared was zum Teufel willst du eigentlich von mir? Was soll dieses Scheißspielchen?“

Mittlerweile war ich aufgesprungen und funkelte ihn wütend an. Wie in Zeitlupe stand er auf, sah mir tief in die Augen, beugte sich langsam zu mir herunter. Sein Duft umwirbelte mich, Gott was roch dieser Mann einfach gut. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter, mein Herz pochte mir bis zu Hals.

„Was willst du denn Kat?“, fragte er mich plötzlich, aus heiterem Himmel, flüsternd.

„Ich?“, stammelte ich verwirrt. „Ich.. ich …“

„Also ich weiß, was ich will…“

„Und das wäre?“ Ich wusste überhaupt nicht, was er jetzt von mir wollte und war umso überraschter als er den letzten Abstand zwischen uns überbrückte, seine Hände an meine Wangen legte und seine Lippen auf die meinen presste. Zaghaft fuhr er mit seiner Zunge an meiner Unterlippe entlang und ohne weiter zu überlegen, öffnete ich diese für ihn und stöhnte in den Kuss hinein als sich unsere Zungen trafen. Jared vertiefte sofort unseren Kuss und legte seine Arme um meine Hüfte, drückte mich fest an sich.

„Kaaaaatherine? Kaaaaaaaaaatherine?“, hörte ich jemanden von weit her rufen und ich so schwer es mir viel, ich musste mich von Jared lösen. Er sah mich eindringlich an, auch er hatte Ian rufen gehört.

„Überleg dir, was du willst Kat und ruf mich an.“

Verunsichert sah ich ihn an, als er noch einmal sanft seine Lippen auf meine drückte, dann drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit.

Wenige Sekunden später tauchte Ian neben mir auf. „Hey Katherine, ich hab dich …. Wessen Jacke ist das?“

„Ich ähm… Mir war kalt und Jared war so freundlich mir seine Jacke zu leihen.“

„Oh…okay…Wusste gar nicht dass dieser Vogel auch hier ist.“ Er runzelte seine Stirn und musterte mich eingehend. „Geht’s dir gut, möchtest du nach Hause oder so?“

„Ich wollte mir einfach nur den schönen Garten hier ansehen…Frische Luft schnappen, aber wenn du gehen möchtest können wir das natürlich.“, gab ich gespielt grinsend zurück.

„Gut dann fahren wir… Ich hab eine Überraschung für dich.“ Er legte einen Arm um mich und zog mich dicht an sich heran.

Ob er Jared an mir riechen konnte? Ich wusste es nicht, jedenfalls sagte er nicht ein Wort.

„Eine Überraschung?“

„Nichts besonderes aber ich dachte wir fahren zu mir.“, sagte er lächelnd und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich war zu keiner Antwort mehr fähig, dieser ganze Abend hatte mich mehr als verwirrt.






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