Verdammt, so konnte ich wohl kaum die Tür öffnen, er würde schreiend davon laufen.
Es klopfte und ich konnte einen Schatten an der Einganstür erkennen. Argh, verdammt. Ich verfluchte mich selbst, schloss für einen kurzen Moment die Augen und öffnete die Tür.
„Ich dachte schon du wärst nicht zu Hause.“
Okay offen gestanden war das nicht die Person, die ich erwartet hatte.
„Ehm, was willst du hier?“, fragte ich Ian verwirrt.
„Nettes Outfit.“, säuselte er süffisant.
„Halt die Klappe.“
„Ich war in der Nähe…“ War das so was wie ein neuer Modespruch?
„Spar dir das. Also?“, auffordernd sah ich ihn an.
„Ich wollte dich sehen.“, erwiderte er ehrlich.
„Aha.“, gab ich tonlos zurück.
„Ich schütte dir gerade mein Herz aus und alles was du dazu zu sagen hast ist AHA?!“ Ian lächelte und auch wenn ich es nicht zugeben wollte, sein Lächeln machte mich an, allerdings war das ein denkbar schlechter Zeitpunkt.
„Ian, so gern ich unser Gespräch vertiefen würde, aber ich erwarte Besuch und ich muss mich noch fertig machen.“
„Alles klar, ich hab schon kapiert. Keine Exklusivrechte.“ Grinsend hob er eine Augenbraue. „Ich komme auch nur vorbei, weil ich dir das hier geben wollte.“, er hielt mir einen Briefumschlag entgegen. „Ich möchte dass du mich dahin begleitest. Überleg´s dir und ruf mich an.“ Ian beugte sich zu mir vor und gab mir einen kurzen Kuss auf die Wange. „Bis bald Kat.“ Und so schnell wie er gekommen war, war er schon wieder verschwunden und ich stand völlig verdattert an der noch offnen Tür.
Kopfschüttelnd schloss ich diese und nahm den Briefumschlag genauer unter die Lupe. Es war eine Einladung zu einer Charitygala. Ich las mir nicht genau durch um welche Organisation es sich handelte, musste aber grinsen als ich daran dachte, welche Auswirkungen unser beider auftreten, dort haben würde. Natürlich würde ich ihn begleiten, was für eine Frage.
Es klopfte erneut, da ich immer noch an der Tür stand, öffnete ich diese direkt. „Ian ich hab dir doch gesagt..“ Ich verstummte als mich mein Gegenüber aus zwei eisblauen Augen anstarrte. „DU?“
„Ich hab gesagt, ich bin in der Nähe, aber offenbar hast du mich nicht erwartet!“ Er lächelte amüsiert. „Darf ich reinkommen?“
„Ehm, ja natürlich.“ Nervös fuhr ich mir durch die Haare und ließ Jared herein.
„Ehrlich gesagt, hielt ich das für einen Witz.“, gab ich seufzend zurück.
„Wenn ich dein Outfit näher betrachte, würde ich mich vermutlich genauso verteidigen.“
„Hey, ich dachte ich hab den Abend für mich ja.“, frotzelte ich. „Geb´ mir ein paar Minuten okay.“
„Klar wenn ne Frau sagt ein paar Minuten, handelt es sich immer um Stunden.“
Ich warf ihm einen bösen Blick zu, der ihn nur noch mehr zu amüsieren schien. „Und das aus dem Mund einer Diva.“
„Mach dir keinen Stress Kat, wir können auch hier bleiben.“
„Ich bleibe ganz bestimmt nicht mit dir bei mir zu Hause.“
„Wieso, hast du etwa Angst vor mir?“, fragte er herausfordernd.
„Nein, aber es reicht wenn sich einer von euch Letos schon hier einquartiert.“, gab ich zischend zurück und verschwand nach oben.
Ich weiß nicht wie, aber ich hatte es geschafft mir binnen von fünf Minuten ein neues Shirt und eine dunkelblaue Jeans überzuziehen, meine schwarzen Chucks rundeten das Gesamtbild ab.
Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen stolzierte ich wieder ins Wohnzimmer. Jared saß auf unserem Sofa und tippte irgendwas in sein BlackBerry hinein.
„Ich bin fertig und siehst du, nur wenige Minuten.“
„Ja ein Weltwunder.“, erwiderte er und stand auf. „Du solltest dir ne Jacke mitnehmen, es wird kalt werden.“
„Sicher Daddy.“, provozierend streckte ich ihm die Zunge heraus, schnappte mir meine Tasche und lief zur Haustür.
„Du bist mit dem Rad da?“, fragte ich entsetzt als ich sein Fahrrad in unserer Auffahrt stehen sah.
„Gut für die Umwelt und die Gesundheit. Kann ich das hier stehen lassen?“
Ich nickte. „Also wohin gehen wir?“
„Wie ich schon sagte an den Strand. Komm.“ Jared wollte meine Hand nehmen, aber ich entzog sie ihm, wollte es ihm einfach nicht so einfach machen. Er kommentierte das Ganze nur mit einem weiteren süffisanten Grinsen.
Schweigend liefen wir nebeneinander her, erreichten wenige Minuten später den Sandstrand, der sich nur wenige Querstraßen hinter meinem Haus befand.
„Warum die Blumen?“, durchbrach ich das Schweigen.
„Ich wollte mich entschuldigen.“
„Warum?“
„Du weißt genau warum Kat.“, tadelte er mich.
„Würde ich sonst fragen?“
„Kat du bist ein schlaues Mädchen, also weißt du bereits warum.“
„Schon gut, schon gut.“, murmelte ich leise. „Danke jedenfalls.“
„Keine Ursache.“
„Darf ich dich was fragen?“
„Nur zu.“ Er blieb stehen und seine Augen reflektierten den Mondschein. Er sah zum anbeißen aus.
„Warum bist du hier?“
„Kein Ahnung, warum bist du es?“ Jared legte den Kopf schief und sah mich forschend an. Ich überlegte einen Moment, ehe ich antwortete.
„Weil du mich quasi überfallen hast.“, gab ich lachend zurück.
„Du hättest mich abwimmeln können, wie diesen Typen.“
Na toll, er hatte mich und Ian also zusammen gesehen.
„Keine Sorge, es ist deine Sache. Aber um ehrlich zu sein, deine kleine Freundin ist an dem hier nicht ganz unschuldig.“ Jared lief langsam weiter.
„Ach, also hat sie dich gezwungen mit mir auszugehen? Verdammt das ist ein Date!“
„Sie nicht, aber Shannon.“, er lachte abermals. „Denkst du nicht ich hätte mehr Stil und würde dich wenigstens zum Essen einladen, wenn das hier ein Date wäre?“
„Keine Ahnung, ich hab das Gefühl, dich kein bisschen zu kennen, du bist so unberechenbar.“
„Das liegt vielleicht daran, dass du mich wirklich nicht kennst, Kat. Du hast deinen Eindruck, den du von mir hast mit Sicherheit aus der Klatschpresse. Stimmt´s oder hab ich recht?“ Jared streckte er mir seine Hand entgegen. „Aber du kannst versuchen, mich kennen zu lernen.“
Abschätzend sah ich ihn an, war das sein Ernst? Kopfschüttelnd lief ich weiter.
Offenbar konnte er in mir lesen wie in einem offenen Buch, denn er schmunzelte. „Du müsstest deinen Gesichtsausdruck mal sehen. Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“
„Du bist komisch.“
„Bin ich das?“ Wieder dieses süffisante Grinsen. So langsam wurde ich sauer.
„Ja bist du, ich weiß einfach nicht warum du so bist, wie du bist.“
„Ich bin vorsichtig, dass muss man in meinen Business sein, aber gegen ein wenig Spaß ist doch nichts einzuwenden.“
„Was für ein scheiß Spiel, spielst du hier eigentlich Jared?“, fragte ich geradeheraus und funkelte ihn böse an.
„Was für ein Spiel spielst du Kat?“ Wütend machte ich auf der Stelle kehrt und lief zurück, als er wieder neben mir auftauchte.
„Hey, was soll das werden?“
„Ich gehe zurück nach Hause.“
„Warum?“, er versuchte mich an den Armen festzuhalten, ich wehrte seine Hände allerdings ab.
„Weil ich keinerlei Antwort von dir bekomme, jede Frage, beantwortest du mit einer Gegenfrage. Du willst, dass ich dich kennen lerne, wie soll das gehen ohne Antworten Jared! Tut mir leid, aber verarschen kann ich mich alleine.“, brüllte ich gerade heraus und ließ ihn stehen.
Wütend schmiss ich die Haustür zu. Lexi und Shannon schienen noch unterwegs zu sein, was mir auch sehr gelegen kam. Ich musste erstmal runterkommen, sonst hätte ich Lexi vermutlich ziemlich zusammengestaucht.
Was bildete sich dieser Typ überhaupt ein? Ich zitterte am ganzen Körper, so aufgewühlt war ich. Es hätte so einfach sein können, wieso war es das nicht? Etwas schien mich davon abzuhalten, mich diesem Kerl einfach an den Hals zu schmeißen. Etwas, was ich nicht verstand und genau das machte mich fertig. Ich musste ihn einfach aus dem Kopf bekommen, denn je mehr ich darüber nachdachte, was der Grund für mein Verhalten sein könnte, desto verwirrter wurde ich.
„Das ist doch alles Bullshit!“, fluchte ich und trottete in die Küche um mir ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen.
Ich fühlte mich schlecht, erkannte mich kaum wieder und das machte mir ungeheure Angst.
Während Lexi um die Häuser zog, saß ich verwirrt zu Hause. Anstatt mich zu amüsieren, wie es meine Art war, weigerte mein Inneres sich den heißesten Typen der Stadt an den Hals zu werfen und ihn zu vernaschen. Was zum Teufel stimmte nicht mit mir?
„So geht das einfach nicht.“, murmelte ich mehr zu mir selbst und griff zum Telefon.
Bereits nach dem ersten Klingeln wurde abgenommen. „Hallo Katherine.“
Ich verdrehte die Augen, musste aber dennoch Lächeln. „Hi, es tut mir leid, dass ich dich vorhin so abgewürgt habe, aber… ehm.. können wir uns vielleicht treffen und einfach ficken?“
Er lachte. „Scheint so als wäre dein Abend ziemlich beschissen gewesen, Baby.“
„Um ehrlich zu sein, ja. Tut mir leid Ian, es ist total egoistisch von mir und… vergiss es einfach.“ Ich kam mir gerade ziemlich bescheuert vor und wollte auflegen, aber er hielt mich zurück.
„Gib mir ne halbe Stunde, okay.“
„Danke. Bis gleich.“, ich wusste nicht warum, aber die Tatsache dass ich mir gerade wirklich einen Fick organisiert hatte, zauberte mir geradewegs ein Lächeln aufs Gesicht, denn das war genau das, was ich jetzt brauchte: hemmungslosen Sex, ohne Verpflichtungen.
Dafür war ich geschaffen und nicht für das Gefühlschaos, was ein gewisser Herr in mir auslöste, aber da war er nicht der Einzige, wie ich in den nächsten Wochen, feststellen musste…
Karma is a bitch....

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