„Hm…“, grummelte ich und drehte mich um, sah in ein grinsendes Gesicht.
Ich seufzte zufrieden und griff nach der Tasse, die Ian in der Hand hielt.
„Hey das ist meiner.“, lachte er, überließ mir seine Tasse aber trotzdem.
Ich lächelte und trank einen großen Schluck des warmen Kaffees.
„Musst du los?“, fragte ich neugierig, da Ian schon komplett angezogen vor mir saß.
„Ja, ich muss wieder nach Vancouver.“
„Oh…wann kommst du wieder?“
„In zwei Wochen denke ich. Wenn du willst kannst du mich ja besuchen kommen?“
„Nach Vancouver? In die Kälte? Ganz sicher nicht.“, gab ich fast tonlos zurück.
„Du bist unverbesserlich.“ Lachend schüttelte er seinen Kopf. „Du kannst hier bleiben, wenn du willst, ich hab dir den Ersatzschlüssel in der Küche hingelegt.“
„Ehm, wieso? Falls du dich erinnerst, ich habe ein Zuhause.“
„Einfach so...“ Ian sah auf seine Armbanduhr. „Uff, ich muss wirklich los.“
„Hm… dann viel Spaß in der Kälte.“
„Du bist doch nur neidisch.“ Er beugte sich zu mir herunter und sah mir tief in die Augen, ehe er sanft seine Lippen auf die meinen legte. Ich vertiefte den Kuss nicht, da ich es hasste jemanden zu küssen, wenn ich mir meine Zähne noch nicht geputzt hatte. Wissend löste er sich von mir. „Ich ruf dich an Babe.“ Dann stand er auf, warf mir noch eine Kusshand rüber und verließ das Schlafzimmer. Ein paar Sekunden später hörte ich die Haustür ins Schloss fallen. Er war weg.
Nach einer ausgiebigen Dusche und einem weiteren Kaffee, machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Natürlich nicht ohne vorher noch das Bett zu machen, ich wusste ja schließlich, was sich gehört. Den Schlüssel, den Ian mit einem kleinen Zettel in der Küche neben der Kaffeemaschine deponiert hatte, ließ ich liegen. Ich wollte keinen Schlüssel zu seinem Haus, so verlockend es war, nein danke. Zuviel Bindung wollte ich dann doch nicht. Und es kam mir irgendwie so vor als würde Ian erwarten, dass ich bei ihm herum hing oder so. Ich meine, ich wusste ja immer noch nicht was das mit uns war, beziehungsweise ob das was werden sollte, wie auch immer.
Ich schnappte mir die schwarze Lederjacke und musste unweigerlich Grinsen. Jared. Ich sollte ihn anrufen hatte er gesagt und ja, jetzt hatte ich sogar einen guten Grund. Ich hatte immer noch seine Jacke.
Ian schien sich daran kein bisschen zu stören. Er hatte nicht weiter nachgefragt, für ihn war die Sache erledigt, nachdem ich mit ihm nach Hause gefahren war. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Nacht mit Ian mir den Abend versüßt hatte.
Warum auch immer, völlig untypisch für mich, ich hatte irgendwie ein schlechtes Gewissen.
Ich hatte keine Ahnung in welcher Ecke von LA ich mich befand, als ich die Tür hinter mir zu zog. Bei Nacht sah eben alles ein wenig anders aus. Staunend sah ich mich um, Hollywood Hills, nette Gegend. Allerdings weit und breit kein Taxi in Sicht.
Super, laufen war angesagt. Ich zog meine High Heels aus und warf noch einmal einen prüfenden Blick nach links und rechts. Neben Ians Haus erstreckten sich noch weitere Häuser die Straße entlang und den Berg hinauf. Ich überlegte kurz, Lexi hatte mir erzählt dass die Letos hier in der Gegend wohnten, wo genau wusste ich allerdings nicht und ich würde mir bestimmt nicht die Blöße geben und Jared nun anrufen.
Ich trut immer noch mein bronzefarbenes Abendkleid, er hätte sofort gewusst was Sache war, also nein. Ich beschloss die Strasse also hinunter zu gehen, immerhin musste ich den Berg nicht hinauf. Ich konzentrierte mich darauf nicht hinzufallen, dank diverser kleiner Steinchen, war ich gezwungen meine Jimmy Choos wieder anzusehen und stöckelte nun die Strasse herunter. Kein schöner Anblick, wenn ihr mich fragt.
Da es noch relativ früh am Morgen war, hoffte ich inständig niemanden zu begegnen den ich kannte.
Mein Wunsch blieb unverfüllt, als ich neben mir ein Auto zum Stehen kam. Ich verfluchte mich selbst innerlich, drehte mich aber nicht zu dem Fahrer um, der jetzt langsam neben mir herfuhr.
„Guten Morgen.“, begrüßte mich eine gut gelaunte Stimme und ich blieb abrupt stehen.
„Das war so klar gewesen! Kann ich nicht einmal Glück haben.“, schalt ich mich selbst und drehte mich mit einem gekünzelten Lächeln um.
Er stoppte seinen schwarzen Jeep und grinste mich an. „Soll ich dich vielleicht irgendwohin mitnehmen?“
„Nein danke, ich kann laufen.“, gab ich zurück.
„In den Schuhen den Berg weiter runter? Bist du sicher dass du dir das antun willst?“
„Oh das hatte ich ja ganz vergessen du hast ja soviel Erfahrung im Tragen von High Heels.“, murmelte ich zickig und setzte mich wieder in Bewegung.
Ich hörte eine Autotür zufallen und wenige Augenblicke später tauchte Jared vor mir auf.
„Hey das war nur ein Angebot, ich wollte nett sein.“
„Hm… ja sicher.“
Jared seufzte und hielt mich sanft am Arm fest, so dass ich meinen Blick hob und ihn ansah.
„Was willst du Leto?“
„Was ist los mit dir Kat, ich dachte…“
„Was???? Dachtest du ich springe dir sofort in die Arme, nachdem was gestern Abend passiert ist?“
„Nein, aber ich dachte zumindest du würdest …“
„Ich würde was???“, fauchte ich ihn wütend an.
Er hielt einen Moment inne und beobachtete mich. Er machte mich wahnsinnig, warum konnte er nicht einfach weiterfahren?
Ich fühlte mich von ihm irgendwie ertappt. Ich trug dieselbe Kleidung wie gestern Abend, natürlich konnte er sich denken, dass ich die Nacht bei Ian verbracht hatte. Ich hatte ein komisches Gefühl im Magen und mir wurde speiübel.
„Komm ich fahr dich nach Hause, du zitterst… Ist alles okay??“ Jared legte behutsam einen Arm um mich und ich ließ mich ohne Widerrede zum Wagen bringen. Stieg schweigend ein und sah stur aus dem Fenster.
„Was stimmt nicht mit dir Kat?“
„Ich dachte du wolltest mich nach Hause fahren, willst du jetzt hier Wurzeln schlagen oder was?“
Jared nickte und startete den Wagen.
Ich sah während der Fahrt weiterhin stur aus dem Fenster, Jared schwieg ebenfalls, als er allerdings die Einfahrt zu unserem Haus hinauf fuhr und parkte, entschied er sich dafür dass unser angefangenes Gespräch noch nicht vorbei war.
Ich hatte meine Hand bereits am Türgriff als er mich zurückhielt. „Warte Kat.“
Laut ausatmend drehte ich mich zu um ihm, Jared zog seine dunkle Sonnenbrille ab und musterte mich erneut.
„Was ist los mit dir Kat?“
Eisern zog ich vor zu schweigen. Was sollte schon nicht mit mir stimmen? Okay, war mehr als verwirrt, von meinen Gefühlen überwältigt, aber das würde ich ihm wohl kaum auf die Nase binden.
„Hat er… hat er dir etwa wehgetan?“
„Was?“, fragte ich durcheinander.
„Ian, hat er dir wehgetan?“, wiederholte er seine Frage sanft.
„Nein…Wie kommst du darauf?“
„Weil du wie von der Tarantel gestochen, diesen Hügel herunter gerannt bist, als wäre irgendjemand hinter dir her oder so.“
„Jared, ich wüsste wirklich nicht, was…“, wollte ich ihn gerade anfahren, als seine warmen Lippen auf meinen lagen.
Ich hatte gar nicht bemerkt dass er sich abgeschnallt und näher zu mir herüber gebeugt hatte. Ich schob ihn von mir weg, um ihn einen Moment fragend anzusehen, ehe ich ihm meine Hände in den Nacken legte und wieder näher zu mir heranzog. Sofort presste er seinen Mund auf den meinen, neckte meine Unterlippe mit seiner Zunge. Bereitwillig gewährte ich ihm Einlass und intensivierte den Kuss.
Jareds Hände wanderten meinen Rücken herunter, umfassten meine Hüfte. Er drückte sie sanft und zog mich in einer schnellen Bewegung zu sich auf den Schoß.
Was zum Teufel machte ich da? Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, ließ es einfach geschehen.
Nimm was du kriegen kannst – und jetzt bekam ich es wirklich. Ich bekam Jared. Er wollte mich, begehrte mich, was ich deutlich an meinem Oberschenkel spüren konnte.
Wir küssten uns mit einer Intensivität, die ich nicht kannte. Wie zwei ertrinkende hingen wir aneinander, er hatte mich am Haken, wie einen hilflosen Fisch.
Außer Atem lösten wir uns von einander. „Ich sollte… reingehen.“
„Solltest du…“, gab er leise zurück.
Ich kletterte von seinem Schoß herunter und stieg aus seinem Jeep.
„Danke fürs mitnehmen. Ach so hier…“ Ich schälte mich aus seiner Lederjacke und wollte sie ihm zurückgeben aber er winkte ab.
„Behalt sie.“
„Wieso..nein…das kann ich..“, stammelte ich nervös herum.
"Entspann dich Kat. Somit hab ich einen Grund dich wieder zu sehen!" Grinsend zwinkerte er mir zu, drehte den Wagen und fuhr davon...

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