Mein Magen knurrte. Tolles Timing Kat, dachte ich fluchend. Lächelnd schob Jared mich von sich. „Sieht aus als hättest du Hunger?“
„Ja nach dir…“, ich legte meine Hände in seinen Nacken und wollte ihn erneut küssen, aber er winkte ab.
„Nichts da, zieh dich an, wir gehen essen.“
„Essen gehen? Jetzt?“, mit weit aufgerissenen Augen sah ich ihn an und fuhr mir mit meiner Hand lasziv über seinen Oberkörper. „Ich dachte eigentlich, wir vertreiben uns die Zeit ein wenig anders.“
Jared seufzte. „Ich glaube du hast da was falsch verstanden. Ich habe nicht vor mit dir zu schlafen Kat.“
„Ooooh.“ Meine Atmung setzte aus, was für ein Schlag ins Gesicht. Er wollte nicht mit mir schlafen!!!
„Kat versteh mich nicht falsch. Natürlich möchte ich… nur nicht jetzt…Du bist ein wunderschönes Mädchen, eh Frau aber…“
„Aber??!“, fragte ich und es klang fast quietschend.
„Ich möchte es richtig machen. Ich will wissen wer du bist. Ich will dich nicht einfach nur ficken.“
„Wieso zu Hölle nicht??“, spie ich wütend aus und sprang auf. „Wieso kannst du mich nicht einfach nur ficken, wie alle anderen vor dir?“ Tränen bahnten sich ihren Weg nach draußen und das so schnell, das ich sie nicht mehr vertuschen konnte.
Ich drehte Jared den Rücken zu, wollte mich nicht noch mehr zum Affen machen, als ich es sowieso schon getan hatte. Aber natürlich war es zu spät gewesen, er hatte es gesehen.
„Hey…hey…“, ich spürte seine Hand an meinem Rücken. Behutsam streichelte er mit einer Hand darüber, während er die andere an mein Kinn legte und mich somit zwang ihn anzusehen.
„Weil ich es einmal richtig machen möchte, verstehst du das?! Ich mag dich wirklich und möchte es langsam angehen lassen. Ich will es nicht mit Sex zerstören.“, erklärte er sanft und sah mich intensiv an.
Mein Handy klingelte im denkbar unpassendsten Moment. Jared seufzte, strich mir noch einmal aufmunternd über den Arm.
„Du solltest rangehen. Ich warte im Auto auf dich.“
„Was?“, fragte ich verwirrt.
„Wir gehen essen, schon vergessen.“ Er lächelte liebevoll und gab mir einen Kuss auf den Scheitel, dann drehte er sich um und Sekunden später hörte ich die Tür zu fallen.
Mein Handy klingelte immer noch penetrant. Ich starrte entgeistert auf das Display und nahm schließlich ab.
„Hey Babe, du bist ja gar nicht bei mir zu Hause?“ Ian, wer sonst.
„Nein, ich bin nach Hause gefahren.“
„Ich hätte es eigentlich wissen müssen. Den Schlüssel hast du bestimmt auch liegen lassen.“
„Hm…“ Ich stand auf und ging zum Fenster, sah hinaus auf den Pool.
„Stör ich dich gerade?“
„Ich wollte gleich mit einem Freund Essen gehen.“
„Einem Freund?“ Ian klang überrascht.
„Ian…“
„Nein, nein ich weiß… Dann will ich dich nicht länger stören. Ich denk an dich, bye.“ Schon hatte er wieder aufgelegt. Er klang gekränkt, na super. War er etwa eifersüchtig? Das fehlte mir gerade noch…
„Oh verdammt Kat, was tust du hier.“, murmelte ich mehr zu mir selbst.
Von draußen vernahm ich ein dezentes Hupen, was mir Anlass genug war, mich auf zu raffen, in Windeseile nach oben zu spurten und mir eine einfache Jeans und ein kariertes Shirt überzuwerfen, meine schwarzen Ballerinas lagen Gott sei Dank griffbereit auf dem Boden, und schnell wieder nach unten zu rennen. Jared wollte gerade anklopfen als ich die Tür aufriss.
„Sorry ich musste mich noch umziehen, ich hätte wohl kaum im Bikini mitkommen können.“, gab ich außer Atem zurück.
„Hättest du schon, wir hätten bestimmt für Aufsehen gesorgt.“, lächelte er.
„Hahaha, wohin willst du überhaupt?“
„Wohin möchtest du denn? Worauf hast du Lust?“, kam direkt als Gegenfrage.
Als ich mir daraufhin auf die Unterlippe biss, verbesserte er sich schmunzelnd. „Was isst du gerne Kat?“
„Chinesisch“, gab ich schulterzuckend zurück.
„Okay, kennst du den an der fünften Ecke Maddison?“
„Oh ja das ist der beste.“
„Sehe ich auch so, wir haben tatsächlich was gemeinsam. Ist das zu glauben.“
„Du meinst das ernst mit dem ´Kennen lernen´ oder?“
Er nickte und hielt mir grinsend die Wagentür auf…
Die Tage vergingen, Jared und ich sahen uns beinahe jeden Tag. Wir unternahmen viel zusammen, fuhren mit unseren Rädern durch die Gegend, unterhielten uns über dies und jenes.
Ich hatte wirklich das Gefühl, dass wir uns nach und nach besser kennen lernten, ganz so wie Jared es geplant hatte. Wir tauschten heiße Küsse, allerdings nie in der Öffentlichkeit.
Er wollte nicht dass es nach Außen den Anschein hatte, wir hätten etwas miteinander, was ich aber voll und ganz nachvollziehen konnte.
„Kat, wenn du willst dass die ganze Welt, dich noch mehr für ein Flittchen hält, dann bitte..“, hatte er mir kopfschüttelnd erklärt. „Du musst dein Leben in den Griff bekommen, du bist so ein schlaues Mädchen und du verbaust dir mit diesem Affärenscheiß alles.“
„Und was ist das was wir haben?“, fragte ich nervös, weil ich nicht verstand worauf er hinauswollte.
„Wir gehen aus… Weißt du denn immer noch nicht wo da der Unterschied ist?“, hatte er mich ausgelacht und ja verdammt er hatte Recht.
Mein Leben war ein einziges Chaos, ich fickte mich durch die Gegend, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie das auf die Außenwelt ankam.
Katherine Matthews, Tochter des Immobiliengurus John Matthews, von Beruf Tochter und Flittchen. Machte sich verdammt gut in meinem Lebenslauf.
„Woran denkst du?“, Jareds Hand fuhr zärtlich über meinen Arm.
„An die letzten Tage… sie waren sehr schön.“ Ich kuschelte mich näher an ihn und er zog die Decke ein Stück weiter über uns.
Er hatte mich heute Nacht mehr oder weniger mit den Worten „Wir müssen was gegen deine Strandphobie machen“ entführt. Jetzt lagen wir hier in zwei Decken eingekuschelt, Arm in Arm und betrachteten den Sternenhimmel über uns.
„Danke.“, ich gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange und er sah mich überrascht an.
„Wofür war der denn?“
„Für alles… Ich … Jared ich bin nicht …“ Ich hielt einen Moment inne und beschloss, dass ich ihm etwas zurück geben wollte. Er hatte sich soviel Mühe in den letzten Tagen mit mir gegeben. Ich hatte Spaß gehabt, richtigen Spaß und dass ganz ohne Sex.
„Weißt du, noch nie wollte jemand wissen, wie ich bin, mich versuchen zu verstehen… Ich war schon immer Daddys kleinen Mädchen, die die Unmengen an Geld hatte, Lexi war und ist meine einzige wahre Freundin. Geld macht nicht glücklich. Und da ich in der Highschool schon immer als Flittchen abgestempelt wurde, weil alle Jungs auf mich standen, hab ich das irgendwann einfach übernommen.“
„Du bist zum Flittchen geworden, weil andere dich so gesehen haben?“, ungläubig zog er die Stirn kraus.
„Irgendwie schon, schätze ich.“, murmelte ich leise.
„Hattest du denn nie, einen na ja nen Freund, ne Beziehung, so was halt.“
Ich atmete tief durch und schüttelte den Kopf. „Ich war da nie der Typ für.“
„Woher willst du das wissen, wenn du es noch nie ausprobiert oder erlebt hast?“, hakte er nach.
„Ich kann das nicht, denke ich… ich brauche meine Freiheiten.“
„Kat, das ist hirnrissig.“ Kopfschüttelnd setzte Jared sich auf. „Du bist so jung, du musst ja nicht gleich den nächst besten heiraten…“
„Hab ich auch nicht vor.“
„Kannst du dir denn gar nicht vorstellen mit jemanden eine Beziehung ein zu gehen? Ich meine wie definierst du das was wir haben?“
„Keine Ahnung?“
„Es ist auch eine Art von Beziehung, wir daten, lernen uns kennen…“
„Ich bin nicht ganz auf den Kopf gefallen okay…“, gab ich schnaubend zurück.
„Dann tu nicht so als wärst dus. Du bist nicht so dumm, wie du tust und so gefühlskalt schon gar nicht, Süße.“
„Manchmal ist es besser, wenn man gefühlskalt ist, gerade du solltest das wissen, Jared.“, gab ich wütend zurück.
Er seufzte und beugte sich wieder zu mir herunter. Legte eine Hand an meine Wange, strich mir zaghaft über die Lippen, ehe er mich sanft küsste. Er nahm mir binnen von wenigen Sekunden die Luft aus den Segeln.
Ich öffnete meinen Mund für ihn und er intensivierte den Kuss sofort. Seine Hand fuhr unter die Decke, die uns beide immer noch bedeckte, direkt unter mein Top und ich stöhnte leise auf.
Abrupt ließ er von mir ab. „Willst du mir immer noch weiß machen, dass du gefühlskalt bist?“
„Das hat nichts mit gefühlskalt zu tun… ich bin einfach nur…“
„So wie du auf mich reagierst und das vom ersten Moment an, das ist nicht einfach nur die sexuelle Anziehung…“
„Willst mir unterstellen, dass ich mich in dich verliebe?“
„Vielleicht… Könntest du das denn?“
„Du fragst mich Sachen… Warum interessiert dich das so?“
„Beantworte meine Frage, Kat.“, beharrte Jared.
„Keine Ahnung, vielleicht.. ich war noch..“ Ich verfluchte mich selbst, ich hatte es fast ausgesprochen zum ersten Mal in meinem Leben.
Jared sah mich entsetzt an. „Du warst noch nie verliebt?“
Ich wand mich ab und stand auf. Er war sofort neben mir.
„Das tut mir leid.“, flüsterte er leise.
„Kein Drama, ehrlich. Ich will nicht darüber reden.“
„Wieso nicht? Wenn es kein Drama für dich ist?“
„Weil es für dich offensichtlich eins ist, ich finde nicht dass ich was verpasst habe. Ich habe Lexi immer wieder leiden gesehen, weil einer dieser Vollidioten ihr Herz gebrochen hat. Ich musste sie immer wieder auffangen, sie trösten. Ich wollte einfach nicht denselben Schmerz durchleben wie sie.“
Jared legte seine Arme um mich. „Du solltest dich wirklich verlieben Süße, es ist ein wunderschönes Gefühl und wenn du den richtigen triffst, dann..“
„Bitte halt die Klappe und küss mich.“, unterbrach ich ihn und sah ihn flehend an. Er nickte und zog mich noch dichter an sich heran. Sanft presste er seine Lippen auf meine und wir versanken in einem leidenschaftlichen Kuss.
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