Jared hatte Recht behalten. Sex war nicht alles im Leben, schon gar nicht wenn du im Grunde gar keines hattest.
Ich musste mich finden, erstmal genau herausbekommen, was ich eigentlich wollte – wer ich war.
Lexi und Shannon hatten mittlerweile ihre Beziehung öffentlich gemacht. Shannon hatte sogar um ihre Hand angehalten. Also war Lexi nun offiziell verlobt, sie würde heiraten. Wer hätte das gedacht?
Die Kantenkoppgeschichte, besser bekannt als der P-Plan (Paul Plan) war nicht aufgegangen. Sie hatte ihn nie wieder gesehen. Dafür hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden. Shannon war wirklich ein Goldstück. Er trug sie auf Händen und auch wenn das ganze mit einer überstürzten Affäre begonnen hatte, so nahm es ein gutes Ende.
Sie liebten sich und das konnte die ganze Welt sehen. Ich freute mich für sie, für beide.
Ich für meinen Teil, war aus unserem riesigen Haus ausgezogen, hatte es Lexi überlassen. Ein verfrühtes Hochzeitsgeschenk quasi. Ich wusste sie liebte das Haus und sie war mir überglücklich um den Hals gefallen, als ich ihr meinen Entschluss, auszuziehen mitteilte.
Ich hatte mir ein kleines drei Zimmerppartement in Santa Monica erstanden. Es war in einem Gebäudekomplex mit direktem Blick auf den Ozean, umgeben von einer wunderschönen Grünanlage. Es reichte für mich. Seltsamerweise hatte ich keinerlei Probleme mich auf weniger zu beschränken.
Und ob ihr es glauben wollt oder nicht, ich hatte sogar einen Job. Nichts Besonderes, Aufregendes oder so. Aber ich hatte einen Job. Ich verdiente mein eigenes Geld. Natürlich keine Millionen, aber es war ein Anfang. Dafür dass ich wirklich noch nie einen Finger krumm gemacht hatte, war es wirklich eine Herausforderung.
Jared lachte als ich es ihm erzählte, aber ich schämte mich nicht im geringsten dafür in einem kleinen Bistro am Pier zu arbeiten.
Ich ging meinen Weg, wollte etwas ändern, wusste zwar noch nicht genau wohin mich dieser Weg führen würde, aber es war ein Anfang.
Zu Ian hatte ich keinerlei Kontakt mehr. Er war ziemlich an die Decke gegangen, als ich ihm meinen Entschluss mitgeteilt hatte. Ich wollte keine Beziehung, weder mit ihm noch mit Jared.
Ian war enttäuscht, er dachte offenbar wirklich er könnte mich halten, egal mit welchen Mitteln. Er hatte es zwar nicht gesagt, aber Jared stellte die Vermutung auf, dass Ian sich in mich verliebt hätte und deswegen so ausgeflippt wäre.
Jared. Ein Thema für sich.
Er hatte mich voll und ganz in seinen Bann gezogen und obwohl ich damals enttäuscht war, dass wir nicht miteinander geschlafen hatte, war ich heute froh darüber.
Wir hatten uns wirklich kennen gelernt und das jeden Tag besser. Jared hatte es geschafft, dass ich mich ihm wirklich öffnen konnte und das ganz ohne Hemmungen. Er wurde zu einem Vertrauten, er erfuhr Dinge über mich, die sonst nur Lexi kannte. Wir wurden Freunde, richtig gute Freunde. Um ehrlich zu sein hätte ich das nie für möglich gehalten, aber so war es und ich war froh darüber.
Jared war für mich da, munterte mich auf, hörte mir zu, obwohl er selbst genug um die Ohren hatte.
Neues Album, neue Tour. Ich würde ihn lange Zeit nicht sehen können, ebenso wie Lexi, die Shannon auf der Tour begleiten würde. Aber ich steckte immer noch komplett in meiner Selbstfindungsphase und wollte das ganze nicht aufgeben, nur weil ich auf meine Reserven, Daddy, zurückgreifen konnte. Ebenso wenig wollte ich, dass Jared mir alles bezahlte.
Ich würde mit Sicherheit auf dem ein oder anderen Gig, vor allem hier in den Staaten zugegen sein, ob ich auch mit nach Europa, Australien fliegen würde, stand in den Sternen.
Ich hatte jetzt Verpflichtungen, mein Chef Sam, verließ sich auf mich und da konnte ich nicht einfach im Bistro fehlen.
Früher wäre mir das scheißegal gewesen, heute jedoch nicht mehr. Ich wollte dass Menschen sich auf mich verlassen konnten.
Sam war ein weiterer sehr wichtiger Mensch in meinem Leben geworden. Er war ein Freund, ein sehr guter sogar.
Das kleine Glöckchen an der Tür bimmelte und ich sah vom Dresen auf. Kundschaft.
Ein Mann mit schwarzem Hoodie und Sonnenbrille trat herein und ich musste unweigerlich grinsen.
„Ich mach kurz Pause Sam!“, erklärte ich meinem Chef und sprang auf.
Unser Gast ließ seinen Blick durch das leere Bistro gleiten und zog schließlich seine Sonnenbrille ab. „Hey… Kat… Sam!“
„Heeeeeey“, ich fiel ihm direkt um den Hals und drückte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Was machst du denn hier?“
„War grade in der Nähe und da Sam das beste vegetarische Sandwich weit und breit macht.. du kennst mich..“
Ich lachte. Ja, ich kannte ihn und ich war stolz das von mir behaupten zu können.
„Also einmal das vegetarische Sandwich für dich, alles klar. Darf´s sonst noch was sein?“, fragte ich betont fröhlich und machte mir eine Notiz auf meinem Bestellblock.
„Ja, aber das sollten wir lieber unter vier Augen besprechen.“, er grinste.
Empört schlug ich Jared mit dem Block auf die Brust. „Ich weiß nicht was das sein sollte.“ Ich lachte. „Sam machst du Jared sein Sandwich?“
„Aber sicher..“, antwortete dieser und verschwand in der Küche.
„Also was gibt’s?“, fragte ich und setzte mich an einen freien Tisch in der hintersten Ecke des Bistros. Jared setzte sich mir gegenüber und musterte mich eindringlich.
„Jetzt spuck´s schon aus!“, forderte ich, was ihn lächeln ließ.
„Ich hab mir was überlegt..“
„Und das währe..?“, wollte ich neugierig wissen.
„Ich hab noch ein paar Tage Zeit bevor die Proben anfangen und ich wird sehr lange unterwegs sein nächstes Jahr wie du weißt und…“
„Und..? Jetzt mach´s nicht so spannend, Jared.“
„Ich wollte dich fragen ob du vielleicht mit mir ein paar Tage nach Frankreich fliegen würdest.“
„Nach Frankreich? Jared warum ausgerechnet nach Frankreich? Vermutlich noch nach Paris…hahaha, du Spinner.“
„Warum nicht, die haben das beste Brot von allen.“
„Wir fahren also nach Paris wegen dem Brot?“
„So ist es.“ Er grinste breit und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Ich ehm.. ich weiß nicht…“
In dem Moment kam Sam mit Jareds Sandwich. „Du hast Urlaub, er hat mich schon gefragt.“
Verwirrt sah ich zwischen den beiden Männern hin und her. „Das ist jetzt ein Witz oder?“
Jared begann lauthals zu lachen. „Das mit dem Brot ja, mit Paris nicht…allerdings wirst du was schönes einpacken müssen. Lexi und Shannon werden dort heiraten.“
„In Paris??“, schrie ich euphorisch.
„In der Stadt der Liebe, ist es nicht perfekt um eine Liebe zu krönen?“ Er schmunzelte. „Vielleicht heiraten wir da irgendwann auch.“
Jetzt lag es an mir laut loszuprusten. „Ganz sicher… NICHT!“
„Sie ist da nicht der Typ führ.“, gab Sam kichernd dazu, wofür er sich einen bösen Blick einfing.
„Ja ich weiß, aber vielleicht ist sie ja irgendwann der Typ dafür…“, Jareds Blick veränderte sich und ich schluckte schwer, ehe ich den Blick abwandte und zum Fenster hinaus zu. Darüber wollte ich jetzt noch nicht nachdenken, wir verstanden uns gut, zu gut, aber eine Beziehung, niemals.
„Sag niemals nie.“, murmelte er leise, was mich noch mehr grinsen ließ. Er wusste ganz genau was gerade in mir vorging, kannte mich in und auswendig. Wir waren Freunde, ob da jemals mehr sein würde? Es wäre gelogen wenn ich es komplett ausschließen wurde, aber für den Moment war ich einfach nur glücklich.
Ich liebte mein neues Leben. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen, war endlich angekommen und egal wohin mein Weg mich führen würde, ich wusste meine Freunde, meine neue Familie, würde ihn mit mir gehen, bis ans Ende dieser Tage….
