Dienstag, 15. Februar 2011

Lexi war wie üblich nicht zu Hause. Entweder Shannon war bei uns oder sie war bei ihm.

Zielstrebig ging ich nach oben in mein Zimmer, schmiss meine, pardon Jareds, Lederjacke aufs Bett und zog mich um.

Da es noch früher Vormittag war, beschloss ich es ruhig angehen zu lassen, wie eigentlich an jedem Tag.

Dass ich mich seit Wochen nicht an der Uni hatte blicken lassen, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Es gab immerhin wichtigeres.

Oh man, was sollte nur aus mir werden? Würde überhaupt jemals etwas aus mir werden? Wollte ich immer Daddys kleine Tochter sein?

Mein Dad machte eine Menge Geld im Jahr, theoretisch ging es mir fantastisch, ich brauchte nicht einen müden Finger krumm zu machen. Geld war da, und zwar zu Hauf.

Ich besaß mehrere Kreditkarten, ein pralles Konto, aber ganz ehrlich machte mich das glücklich?

Im Grunde war ich doch total fertig, beziehungsgestört, offensichtlich, nicht bindungsfähig, warum auch? Spaß konnte ich auch so haben. Aber war es das, was wirklich glücklich machte?

Lexi wirkte so glücklich in letzter Zeit, so ausgelassen, so happy. Sie verbrachte ihre gesamte freie Zeit mit Shannon. Sollte er tatsächlich der Grund für ihre gute Laune in den letzten Wochen sein?


(Notiz an mich: Lexi unbedingt fragen, vorausgesetzt man trifft sie alleine und ohne ihren „Zwilling“ an).

Ich sagte euch ja schon, dass mich die letzten Tage extrem verwirrt hatten, nichts war mehr so wie es vorher war. Irgendetwas hatte sich in mir verändert, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen konnte, was das denn war.

Fakt war, es war da. Die Veränderung fand bereits statt, ich war mittendrin, konnte es nicht mehr aufhalten, oder doch?

Kopfschüttelnd ließ ich mich auf eine der Liegen an unserem Pool fallen. Einfach abschalten, das wäre doch genau das Richtige.

Abschalten, ja wenn ich es gekonnt hätte, denn meine Gedanken drehten sich weiterhin nur um dieses Thema: Was stimmte nicht mit mir?

Sogar Jared war es aufgefallen, Ian fiel es mit Sicherheit auch auf, aber er fügte sich seinem Schicksal und sagte nichts. Seine neueste „Aktion“ mit dem Wohnungsschlüssel verwirrte mich immer noch.

Er hatte nicht gesagt, dass er wolle dass ich bei ihm einziehe, aber wozu sollte ich sonst einen Schlüssel brauchen? Wollte er dass ich sein Haus hütete, wenn er auf Reisen war?

Ich wusste es nicht und es war mir eigentlich auch egal…


Okay, verdammt, erwischt es war mir nicht egal, sonst würde ich mir nicht pausenlos Gedanken um dieses Thema machen.

Aber mal ehrlich, ich dachte Ian hätte es begriffen gehabt, wie es lief. Keine Exklusivrechte, einfach nur ein guter Fick.

Vielleicht dachte er, dass er mich mit der Hilfe eines Schlüssels an sich binden konnte. Ein Schlüssel zum Bezähmen? Verrückt.

Zwei Wochen würde er weg sein, eine lange Zeit, wenn man bedachte dass Jared sich ebenfalls versuchte in mein Herz zu schleichen.

Eigentlich war es genau das, was ich wollte. Warum bekam ich nur plötzlich solche Angst?


Ian war zweifelsohne ein super Typ, um ehrlich zu sein genau mein Typ. Blaue Augen, einen Wahnsinnskörper, seine Art, sein schiefes Lächeln und was für mich eigentlich am Wichtigsten sein sollte, er wusste genau was er tat. Im Bett harmonierten wir einfach perfekt und er wollte mich, schien wirklich etwas mehr zu wollen als mich einfach nur ab und zu zu vögeln.

Die Frage aller Fragen war jedoch, war ich denn bereit für mehr????

Jared hatte mich gebeten mich zu entscheiden, nur für was? Hieß es jetzt, er oder ich? Ian oder Jared?

Beide hatten zweifelsohne ihre Vorteile. Aber wollte ich das überhaupt?

Im Grunde kannte ich beide überhaupt nicht. Klar, ich hatte mir das selbst zuzuschreiben, weil ich nie jemanden wirklich an mich heran ließ aber.. Ach verdammt, sie hatten sich Mühe gemacht und wollten mich kennen lernen, alle beide, aber ich hatte sie immer wieder abgeblockt. Hatte mich nie wirklich viel mit ihnen unterhalten, was für eine kranke Person war ich eigentlich?

So würde ich auf Dauer die Arschkarte haben, was würde passieren wenn Lexi zu Shannon ziehen würde? Ich meine beste Freundin für immer verlieren würde?

Mein Atem beschleunigte sich und ich gab mich meiner Horrorvorstellung hin. Ich ganz alleine, für den Rest meines Lebens.

Mein Handy riss mich aus dieser Traumvorstellung. Ohne auf den Anrufer zu achten, nahm ich ab.

„Katherine Matthews.“

„Du meldest dich tatsächlich mit Katherine?“, ich vernahm ein Kichern. Oh verdammt.

„Halt die Klappe.“, gab ich daher barsch zurück.

„Sei nicht immer gleich so mies drauf, was machst du gerade?“, Jared klang ernsthaft interessiert.

„Sonnen. Zumindest versuche ich es…“

„Zu Hause?“

„Ja wo denn sonst?“, ich prustete los.

„Hm, ich habe mir sagen lassen, dass es schöne Strände in LA gibt.“

„Ich bin nicht so der Strandtyp.“, erklärte ich ehrlich. Ich hasste dieses Schaulaufen am Strand zu sehr, daher blieb ich lieber am heimischen Pool.

„Wieso nicht? Und außerdem mit mir warst du am Strand.“

„Da war es auch dunkel und außerdem hast du mich quasi gezwungen.“

„Nein nein, ich musste ich gar nicht zwingen, du bist von ganz alleine mit.“ Er unterdrückte ein Lachen.

„Gar nicht, du hast mich überfallen…“, konterte ich lässig und spielte mit einer Haarsträhne.

„Kat?“

„Hm..?“

„Du siehst verdammt heiß in deinem schwarzen Bikini aus.“

Mein Lachen erstarb und abrupt setzte ich mich auf. „Woher weißt du was ich anhabe?“

„Weil ich dich sehen kann.“, erwiderte er leise.

„Wo zur Hölle steckst du, du elendiger Spanner!“, gab ich seufzend zurück und schrie im selben Moment laut auf, als mich zwei Arme umfingen.

Mein Kopf fuhr herum und ich sah in Jareds grinsendes Gesicht. „Du verdammter Scheißkerl, woher…Oh man Lexi.“

Er nickte, gab mir einen kleinen Kuss auf den auf den Scheitel und ließ sich hinter mich in die Liege fallen.

„Ich soll dir übrigens schöne Grüße bestellen.“ Er lachte und zog mich zu sich heran.

„Schön dass du meine beste Freundin, jetzt schon häufiger siehst als ich sie selbst.“

„Hast du gewusst, dass sie zusammen wegfahren übers Wochenende?!“

„Tun sie das denn?“

„Hm..“ Jared legte seinen Kopf an meiner Schulter ab. „Shannon hat wirklich einen Narren an ihr gefressen.“

„Warum erzählst du mir das alles?“

„Warum bist du immer so eiskalt?“, kam es als Gegenfrage zurück.

„Keine Ahnung, Selbstschutz.“, gab ich schulterzuckend zurück.

„Vertraust du denn niemanden?“

„Ich vertraue Lexi, das reicht, denke ich.“

„Hm..“

„Jared…“, ich drehte mich in seinen Armen herum und sah ihm tief in die Augen. „Was machst du hier?“

„Kannst du dir das nicht denken?“ Er lächelte. „Ich brauche meine Jacke.“

„Oh achso natürlich, wie konnte ich das vergessen.“, ich wollte aufstehen aber er hielt mich zurück, zog mich dichter an sich heran.

„Was wird soll das hier werden Jared Leto?“, fragte ich nervös, mein Herz pochte mir bereits jetzt schon bis zum Hals und meine Atmung hatte sich unweigerlich beschleunigt.

Sanft legte er eine Hand an meine Wange und überbrückte den letzten Abstand zwischen uns.
Zaghaft küsste er mich, wartete meine Reaktion ab. Ich konnte nicht anders als den Kuss zu intensivieren und meine Lippen für ihn zu öffnen. Es war ein zärtlicher, liebevoller Kuss, den Jared viel zu schnell für meinen Geschmack beendete.

Forschend sah er mich und ließ seinen Blick über mich gleiten. Seine Augen glühten.

„Gefällt dir was du siehst?“, fragte ich daher kleinlaut.

„Ja, sehr sogar.“, er lächelte und fuhr sich mit seiner Zunge über seine Unterlippe.

„Was wird das hier?“

„Ich habe keine Ahnung, aber ich möchte es gerne herausfinden.“, erwiderte er mit belegter Stimme und genau im selben Moment trafen sich unsere Lippen erneut.

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